Peinlich?

7. September 2009 § 2 Kommentare

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Nein, ich möchte hier keine alten Kamellen ausgraben, das Thema mit dem Décolleté ist alt, diese Wahlwerbung inzwischen auch – aber sie hängt noch in Berlin-Kreuzberg. Über Geschmack lässt sich streiten, deshalb braucht’s hier auch keine Diskussion.

Was aber allgemein auffällt ist, daß Politiker, querbeet durch die Parteien, regelrecht in den Schminktopf gefallen sind. Entweder teilen sie sich Stylisten und Visagisten oder ein paar Photoshop-Könner haben die Farbtöpfe in den Druckereien entdeckt. Auf den Wahlplakaten sehen jedenfalls alle geschniegelt aus, sind entfaltet und gepudert, als handele es sich um eine Miß- oder Misterwahl …

Ich habe nichts gegen gepflegtes Aussehen, im Gegenteil – würde mir jedoch wünschen, es käme auch inhaltlich mal was rüber in diesem Wahlkampf, dessen heiße Phase offensichtlich am vergangenen Wochenende eröffnet worden sein soll.  Im Interview mit Alice Schwarzer betont die Bundeskanzlerin Erfolge in der Familienpolitik??? Frau Künast weicht direkten Fragen zum Thema aus und verirrt sich in der Jugendarbeitslosigkeit bzw. Bildungspolitik (bei Anne Will). Von Frau Schavan hört und liest man nichts, vielleicht bereitet sie sich schon auf ihren nächsten Job vor? Frau Zypries feiert die Erfolge, die den Väteraufbruch jubeln lässt und die Gesundheitsministerin versteckt sich hinter ihrem Dienstwagen. Die Grünenchefin, Frau Roth strahlt frisch gefärbt wie ein Feuermelder auf einer Trecker-Demo, während die Frau des Altbundeskanzler Schröder auf dem Sommerball der russischen Botschaft die liebende Ehefrau gibt.

Alice Schwarzer möchte endlich in Ruhe arbeiten, aber fühlt sich von ihren Geschlechtsgenossinnen traktiert, aktuell in NRW. Liebe Frau Schwarzer, ich schätze sie sehr, vorallem ihre gute Schreibe, aber Simone de Beauvoir hatte auch keine Kinder. Sie hat dafür ihren Paul (Sartre) bemuttert und der hat sich gefreut, so wie es viele Männer heute gerne hätten, weil sie über Doppelverdienerei und Haushaltsgebambel irgendeinen emotionalen Schutz vermissen. Und die vielen Politikerinnen, die da gerade zur Miß-Wahl bereitstehen, haben verdammt wenig Familienleben vorzuweisen und können deshalb auch kaum auf Augenhöhe zu ihren ‚bürgerlichen‘ Geschlechtsgenossinnen gehen. Von Verständnis für volle Waschmaschinen, Bügelkörbe, Einkaufsschlepperei, familiärem Bürokratie-Support etc. ganz zu schweigen.

Hedwig Dohm hatte 5 Kinder, Hilde Domin keine – dazwischen lag das Zeitalter des Biedermeier, in dem Machos nochmal richtig aufdrehen konnten. Und heute stöckeln die Polit-Damen wieder bunt geschmückt neben markigen Männersprüchen einher – von Fortschritt kann wohl keine Rede sein, von Augenhöhe schon gleich gar nicht.

Und wenn ich genau hinsehe, dann erscheint mir dieser ganze Polit-Zirkus als ein Ausdruck von Peinlichkeit! Sind wir Bürger vielleicht schon weiter als die Polit-Szene, die gerade ihren Neo-Biedermeier inszeniert? Mich und viele meiner Generation trennen Welten von dieser Bühne, dabei handelt es sich gerade mal um +/- 5 bis 10 Jahre …

 

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§ 2 Antworten auf Peinlich?

  • marie418 sagt:

    Ach weisst du Anke, bei euch gehts ja direkt gesittet zu … wärest du hier in Frankreich, ich würd zu gerne wissen, was du zu all dem Zwergenmist schreiben würdest.

    Manchmal sehn ich mich nach Deutschland zurück, wo man sich noch über Dinge aufregen kann, die nicht so betrügerisch und schmutzig sind wie bei uns.

    Aber stimmt schon, welche schaffende Frau hat Kriegsbemalung denn nötig?

  • ankeberlin sagt:

    Liebe Marie,

    ich wäre gern in Frankreich, lieber als hier – aber nicht wegen der Politik, sondern wegen der Menschen und ihrer Verbundenheit zu Land und Landschaft. Ein mürrischer Provencale ist ein positives Erlebnis gegenüber jammernden Deutschen.

    Zwergenmist? Es ist doch letztendlich egal, ob dick oder dünn, klein oder groß … Menschen sind so! Einige von ihnen haben allerdings den Boden unter den Füßen verloren und was das betrifft, spielt die Nationalität überhaupt keine Rolle.

    Macht, Einfluss und Geld – DAS sind die bestimmenden Werte dieser Subkultur zeitgenössischen Outputs.

    Betrachtungen einer Schmetterlingskultur hingegen werden verlacht und in irgendwelchen Archiven versteckt – bis daß es irgendjemand mal herauskramt und darüber wichtige Zusammenhänge entdeckt.

    So gesehen ist hier nix sauberer als in Frankreich. Aber genau deshalb ist Schminken offensichtlich wichtig …. !?

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