Wunsch und Wirklichkeit

30. September 2009 § 8 Kommentare

Regierungsviertel

Nun haben die Deutschen ihren 17. Bundestag gewählt, bzw. mehr als ein Viertel aller Wahlberechtigten hat ihn nicht gewählt! Das ist eine Blamage für die Demokratie. Die geringe Wahlbeteiligung, vorallem in den östlichen Bundesländern stimmt nachdenklich. Resignation und Nichtbeteiligung machen nichts besser – im Gegenteil.

Nun ist ein Ergebnis da, welches würdig respektiert gehört, denn dieses basiert auf der Entscheidung der Wähler. In der Nachschau erleben wir aber ein unglaubliches und nicht akzeptables Verhalten einer Politiker-Riege, die offensichtlich nicht in der Lage ist, den Wählerwillen zu respektieren. Das Personalgerangel ist in vollem Gange und zwar nicht nur bei den Gewinnern dieser Wahl, sondern auch bei den Verlierern! Die hessische SPD brachte sogar Frau Ypsilanti wieder ins Spiel, das ist mehr als lächerlich.

Die Wähler sind nicht dumm, wie anscheinend mehrheitlich in realitätsfernen Politikergilden angenommen wird. Viele haben strategisch gewählt, um die ‚große Koalition‘ abzuwählen. ‚Schluss mit dem Stillstand, Schluss mit dem Raubbau am Volk‘ – standen solche Gedanken dahinter?

Die ca. 130 Jahre alte Kastanie am Zollpackhof hat schon viel gesehen, blickt Tag und Nacht auf Gebäude in denen zum Wohle der Bürger Politik gemacht werden sollte. Sie hat schon viel Schlimmes gesehen, steht aber immer noch in vollem Saft und spendet den Bürgern Schatten. Auch am Wahltag waren viele Menschen auf den Beinen, bei wunderbar sonnigem Wetter, warum haben es nur so wenige in die Wahllokale geschafft …?

Wünsche muss man äußern, sonst werden sie nie Wirklichkeit!

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§ 8 Antworten auf Wunsch und Wirklichkeit

  • marie418 sagt:

    Hmm – ich meine auch, wer nicht wählt ,der soll nicht klagen, selber schuld.

    Aber! Es gibt trotzdem eine Hälfte der Wähler , die nicht diese Koalition gewählt haben, die dürfen klagen, so meine Meinung … nur klagen , solange nichts passiert ist, ist auch nicht so der Hit.

    Bei uns allerdings ist es zu beobachten, dass die Wähler, die Sarkozy ans Ruder gebracht haben, sich regelrecht schämen es getan zu haben ,das dauerte ein knappes Jahr und dann kamen die Beiträge im Netz, die sehr bedauerten, was sie getan haben, mittlerweile zieht sich das bis hin die Partei vom Präsidenten.

    Klagen, sich wehren, den Mund aufmachen ist auch Demokratie, so finde ich. Und dem kritisch gegen zu stehen, was einst gewählt wurde, gehört für mich auch dazu – allerdings vielleicht erstmal nicht, solange man keinen Effekt sieht.

    Die Minister sind ja noch nicht benannt ….

    Ich möchte aber noch dazu sagen, dass Sarkozy mit den Wählern der rechtsextremen Partei „le Front National“ und den alten Menschen, die die Partei in Bussen zum Wahllokal gefahren haben, gewählt wurde.

    • ankeberlin sagt:

      Ich denke, hierzulande konnte keiner wirklich überzeugt glücklich sein mit seiner Wahl! ‚Pest oder Cholera‘? – da war schon was dran … mit ’nicht wählen‘, entging man aber der Seuche nicht! Es wurden viele Wähler verunsichert, durch den wabbernden Wahlkampf, der keiner war. Ältere und betagte Wähler waren vollkommen verunsichert, weil sie eh‘ schon dispositioniert auf ‚Schuld‘ programmiert sind und nun meinten, sie könnten sich wieder schuldig machen. Es kann doch nur ein Fehlverhalten politischen Handels sein, wenn Wähler ein schlechtes Gewissen haben oder befürchten müssen?

      Demokratie kann man nicht mit Taktik verwechseln – dies geschieht aber offensichtlich bei PolitikerInnen, deren Botschaften über Schlips- und Blazerfarbe rübergebracht werden, oder solche die lauthalses Internetgeschrei veranstalten und überall werden Inhalte nicht mehr wirklich diskutiert? Die wenigsten Politiker, heutiger Tage, teilen uns die Intension ihrer sozialen Gedanken mit, dafür merken wir um so mehr, welchen Stellenwert ihre Rolle im eigenen sozialen Umfeld einnimmt. Durch den Regierungswechsel in Deutschland sind z.B. zwei Bundesministerinnen ab sofort arbeitslos, sie gehören zu den Dienstältesten – gegen deren Pensionsansprüche ist eine Dienstwagen-Affäre ein Witz! Die leiden auch in Zukunft nicht an einem mageren Portemonnaie, höchstens an posttraumatischen Belastungsstörungen, die durch plötzlichen Verlust an Macht und Einfluss hervorgerufen werden. Die Klassen-Medizin wird hier indiskutabel, weil der unselige Gesundheitsfond gar keine Rolle spielt, gibt ja Wellness-Tempel genug und hier kann man sich auch erstklassig psychotherapeutisch betreuen lassen, wenn es gar nicht mehr anders geht … Geld spielt da wie erwähnt keine Rolle! – jedenfalls nicht solange wie es noch Steuerzahler gibt.

      Euer Präsident wähnt sich noch auf der sicheren Seite, aber der Tag wird kommen an dem auch er geht, wie auch immer, er wird zu tun haben mit dem ‚Verlust‘, der seine Eitelkeit nicht bedient. Seine Frau ‚malt‘ wunderschöne Lieder. Wenn’s gut kommt, kann er davon partizipieren, wenn nicht werden sie beide verlieren … oder nur er …

      Ich bin nicht top-informiert, sehe aber schon einen großen Unterschied zwischen den Linken in Frankreich und denen, die wir hier haben …

  • chinomso sagt:

    Anke, das hast du schön zusammen gefasst.
    Du bringst es wunderbar auf den Punkt.

  • tonari sagt:

    Ich bin soooo stolz auf meine beiden „Ableger“. Männe und ich hatten schon vor Wochengebriefwählt, aber die Bundestagserstwähler sind beide in ihre Wahllokale gegangen und haben ihre Stimme abgegeben. Und beide haben uns selbstverständlich von ihrer Erstwahl berichtet. Yippih. Erziehungsprozess angekommen 😉 Und in beiden Fällen war es keine der Pfui-Bäh-Parteien.

    • ankeberlin sagt:

      Es gibt tatsächlich ein natürlich empfundenes Wohlgefühl, wenn man feststellen kann, daß die Nachkommen politisch aktiv, gut informiert und argumentativ reflektiert in eine solche Wahl gehen! DAS ist, aus meiner Sicht, in der Tat ein Feedback gelungener Erziehungskultur.

  • guidowatch sagt:

    Und die arme Kastanie muss jetzt mit ansehen, wie Guido Westerwelle zum Hoffnungstraeger mit White Obama Status einer ganzen Nation aufsteigt und gezwungen sein wird, das oppositionelle Noerglergewand abzulegen und erstmals richtig versuchen muss, Politik zu machen. Hoffe, sie ueberlebt das.

    • ankeberlin sagt:

      Die Kastanie interessiert sich höchstwahrscheinlich nicht für polemischen Personenkult. Es ist anzunehmen, daß sich schon vielfach Menschen in ihrem Schatten gesonnt haben, die zwar alles besser wissen, aber nichts besser machen. Vorallem Nichtwähler plädieren lautlos für die Monarchie oder das Diktat rhetorischer Luftblasen. Die Kastanie wird die Auswirkungen inhaltlicher Politik sehen – oder auch nicht, ihre derzeitige Lebenserwartung liegt bei ca. 20 Jahren. Eine kleine Chance also, millionenschwere Architektur noch zu überleben …

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