Demokratie in Gefahr?

3. Dezember 2009 § 3 Kommentare

Unglaubliche Diskussionen finden gerade querbeet in allen möglichen Medien statt. Man wird mit einer überbordenden Polarisierung konfrontiert im Alltag, ja sogar beim Brötchen holen. Was ist eigentlich passiert?

Die Schweizer haben ihr demokratisches Grundrecht wahrgenommen und Menschen islamischen Glaubens fühlen sich, durch das Ergebnis eines Volksentscheides, in ihrer Freiheit beschränkt. Was genau rechtfertigt jetzt eigentlich den nicht enden wollenden Aufschrei Deutscher in dieser Diskussion? Warum fühlen sich Deutsche so betroffen? Warum diskutieren sie aggressiv, aufgeregt und engagiert?

Auf einmal wird landauf, landab über christliche Werte, Moral und Traditionen diskutiert und auf eine Gemeinsamkeit reduziert, die nicht vorhanden ist, nie wirklich vorhanden war. Deutschland ist und war aufgrund seiner geografischen Lage schon immer ein Migrationsland und wird es auch bleiben. Welche Ängste werden geschürt und von wem – frage ich mich? Oder sind es gar Ängste, die zu solchen Reaktion führen?

Können Deutsche Demokratie nicht respektieren, nicht leben? Wer gibt wem das Recht, die Schweizer für dumm und unmündig zu erklären? Die Demokratie in der Schweiz ist wesentlich älter, als die in Deutschland, darüberhinaus lebt die Schweiz schon sehr viel länger in einer Welt der Kompromisse und das auch noch in sprachlicher Vielfalt. Wissen Deutsche, was gut und besser ist – trotz der Ost-West und Nord-Süd-Konflikte die sie allenthalben im eigenen Staat haben?

Wie steht es wirklich um Moral, christliche Werte und Traditionen in Deutschland? Haben sie den 2. Weltkrieg wirklich überlebt oder wurden sie gekonnt per Zuckerbäckerei verdrängt? Kommen die Traumata der 68iger und ihrer sozialisierten Nachkommen jetzt ans Tageslicht? Und wie fragil ist Gesellschaft heute – deshalb?

Ich habe mich mit meiner Kollegin und auch Freundin islamischen Glaubens immer wunderbar verstanden, einige ihrer sozialisierten Ansichten nicht. Hier gab es oft Pat-Situationen, die wir beide akzeptierten. Ich habe mich in Rhetorik-Kursen an der Uni regelrecht gefetzt mit muslimischen Kommilitoninnen, die mir aggressiv ihr Kopftuch und den – dann nicht mehr – verständlichen Schutzmechanismus erklären wollten. Eine Alevitin war meine Diskussionspartnerin gegen das Kopftuch – das Verhältnis war im Kern 3:1, weil meine deutschen Kommilitoninnen lieber geschwiegen haben. (?) Leider … sie hätten heute vielleicht ein bißchen mehr Verständnis?

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§ 3 Antworten auf Demokratie in Gefahr?

  • peterswurst sagt:

    „Scheiß Schweizer! Zuerst Steueroase – nun Nazi-Paradies!“ – „Durch diese hohle Gasse muss der Rechtspopulist kommen“ – ironische Artikel zu diesem Thema –

    http://freidemzen.wordpress.com/2009/11/29/scheis-schweizer-zuerst-steueroase-%E2%80%93-nun-nazi-paradies/

    „Durch diese hohle Gasse muss der Rechtspopulist kommen“

    http://freidemzen.wordpress.com/2009/11/29/durch-diese-hohle-gasse/

    Genau, wie wir alle dachten – zwar waren zwei Antwortmöglichkeiten erlaubt aber eigentlich doch nur eine gestattet – „Für den Minarettbau heißt: aufgeschlossen, aufgeklärt, intelligent; gegen ebendiesen heißt nun mal: intolerant, rechtsextrem, faschistisch! Da kann man ja eigentlich nicht so viel falsch machen! Macht das Kreuzchen, wo es hingehört und alle sind glücklich!“
    ansonsten wird diffamiert und kräftig mit der braunen Keule geschwungen – so funktioniert Demokratie – aber irgendwie stinkt Demokratie ja!
    Toll, dass auch noch alle wissen wieso genau die Schweizer sich so entschieden haben. Und zwar aus den falschen Gründen…
    Ich rufe auf die Wahlen dann einfach abzuschaffen, so wird immer richtig entschieden!

    Der Islam muss sich in Europa anpassen und ebenso die Anhänger… In Afrika muss ich kurze Hosen tragen weil es so heiß ist und im Norden Jacken… – wie dieses banale Beispiel gibt es auch traditionelle Gegebenheiten, die vorherrschen – auch diesen muss man anpassen…

  • marie418 sagt:

    Wie du dir denken kannst sprichst du mir aus dem Herzen. Aber das , was du ansprichst ist auch in Frankreich so, durch unsere Geschichte, haben wir nicht nur eine Randgruppe Menschen islamischen Glaubens bei uns, sondern es sind knapp 10 % der französischen Volksgemeinschaft.

    Was ich in Frankreich, wie in Deutschland beobachtet habe, ist eine geringe Anpassungsfähigkeit vieler eingewanderten muslimischen Mitbürger. Wobei natürlich das nicht für alle gilt.

    Vielleicht ist es doch gar nicht so schlecht sich mal wieder auf die Ursprünge Europas zu konzentrieren und ist auch eine Notwendigkeit? Die Ursprünge einer Zivilisation kann man nicht einfach so wegradieren, egal wie sehr man mit Zucker arbeitet. Und soll man das, hat man nicht das Recht im eigenen Land auf die eigenen Traditionen? Vor lauter Globalisierung geht man an wichtigen Dingen vorbei.

    Ich habe schon sehr früh die Bücher von Peter Scholl Latour gelesen und die sind in mir hängen geblieben, der Islam insgesamt beunruhigt mich – nicht der einzelne, nein , aber die Bewegung auf der ganzen Welt.

  • ankeberlin sagt:

    Wir haben also kein Minarett-Problem, sondern ein Demokratie-Problem … sag ich doch!

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