Die geklaute Prinzessin

6. Februar 2010 § Ein Kommentar

 

 

Eine faszinierende Ausstellung findet gerade im Museum für Film und Fernsehen, im Sony-Center am Potsdamer Platz statt. ‚Romy Schneider. Wien-Berlin-Paris‘. Eine hochbegabte Schauspielerin, die zeitlebens den Mythos der Sissi-Filme nicht entgehen konnte und vorallem in Deutschland von der Boulevard-Presse maltretiert wurde. Es wird aufgezeigt, wie ein ‚Dreigroschenroman-Publikum‘ ein Lebenswerk zerstören kann – nur weil es einer Person nicht gestattete, sie selbst zu sein, oder eine schauspielerische Entwicklung nicht wahrnehmen wollte. ‚Man‘ wollte es hierzulande nicht anders, ‚man‘ fühlte sich beklaut und verraten ob der Illusionen, die sich mit diesem Schicksal verbunden hatten. Nachkriegsdeutschland …

Die ‚Sissi-Filme‘ so kurz nach dem Krieg brachten ‚Glanz und Gloria‘ in den harten, grauen Alltag und es gab eine kollektive Mehrheit, die Wirklichkeit und Traum nicht mehr auseinanderhalten konnte. Schon der Verlust im Film, daß die bayrische Prinzessin nach Österreich exportiert wurde, wurde als Schmach empfunden. Als dann die Schauspielerin, die lediglich eine Rolle verkörperte, auch noch nach Frankreich auswanderte, war sie zum 2. Mal für Deutschland verloren. Und bis heute haben es viele Menschen der Verdrängungs-Generationen nicht verstanden und wollen es nicht verstehen.

Ich bin voller Unverständnis für dieses Zeugnis an Kitsch und Verdrängung und stelle für mich fest, daß es ein Glück war, daß diese großartige Schauspielerin damals nach Frankreich auswanderte. Sie hat dort Filme gedreht, die eine Bereicherung der Kunstlandschaft darstellen. Sie hat uns allen viel hinterlassen. Danke Romy Schneider!

Und während ich die Ausstellung besuchte, wurde vor den Türen des Museums der rote Teppich ausgerollt und die ‚Fotobox‘ für die Stars installiert, die zur Premiere eines Films erwartet wurden (siehe Foto). Und wer einmal über einen solchen Teppich gegangen ist, durch eine solche Box spaziert ist – auch ganz ohne berühmt zu sein – weiß wie ätzend das eigentlich ist. Andererseits lebt der Schauspieler auch von seinem Publikum, nicht nur monitär sondern auch was seine Motivation betrifft. Schlimm ist es allerdings, wenn er darüber zu früh stirbt …

Die 60igste Berlinale steht vor der Tür, die Filmmenschen bevölkern jetzt schon die Stadt, die Akkus für die Blitzlichter werden geladen – hoffentlich nur für die Fotos, mit denen die Stars auch einverstanden sind … leider gibt es auch viele Side-Effect-People, die sich gerne im Blitzlichtgewitter sonnen … aber genau hier haben professionelle Fotografen eine Chance, sie können bestimmen, ‚was‘ sie fotografieren

 

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§ Eine Antwort auf Die geklaute Prinzessin

  • regido sagt:

    ja,sie war eine grosse schauspielerin,das sie nach frankreich gegangen ist wurde wohl als verat verstanden(ignoranterweise)….aber ihre beziehung mit dem grossen delon war wohl auch keine hielfe….
    das schlimmste ist wie sie gestorben ist…wie so viele grosse kuenstler/innen 😦 aber sie ist immer noch nicht vergessen
    gruss regido

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