Politik – ganz persönlich

8. April 2010 § 2 Kommentare

 

… so versteht sich offensichtlich die Regierungschefin der Bundesrepublik Deutschland? Kaum hat die Zeitung mit den großen Lettern nach ihr gerufen, schon steht sie parat und nimmt an der Trauerfeier für die jüngst gefallenen deutschen Soldaten teil. Es fällt ihr offensichtlich gar nicht ein, ‚zwischendrin‘ mal Stellung zu nehmen und die Bürger des Staates über Situation und Lage aufzuklären? Sie hat schon einmal an einer Trauerfeier bezüglich Afghanistan teilgenommen, das war auch ganz ‚persönlich‘ – es war ein zu Tode gekommener Polizist, der vor seinem Einsatz  Dienst in ihrem Personenschutz tat.

Ist denn die Politik dieses Staates eine persönliche Angelegenheit einer Regierungschefin bzw. eines Regierungschefs? Sie sind in ihrer Funktion nur Institutionen. Natürlich haben sie ein Recht auf ausgelebte Menschlichkeit, aber das hat doch jeder andere Mensch auch.

Hedwig Dohm beschrieb bereits 1915 in ihrem Essay ‚Der Missbrauch des Todes‘ die Schrecken eines Krieges und reflektierte literarisch ähnlich wie Otto Dix per Malerei in seinem ‚Großstadt‘ – Tryptichon, den Wahnsinn des Teufelskreises der sich in Kriegen immer schneller dreht und immer mehr Verlust an Realität in Politik birgt:

‚Und wer könnte sich des grenzenlosen Erstaunens erwehren, daß die blödsinnigsten Schauermähren, daß dieses Riesen-Völkergeklatsch, das machiavellistische Schlauköpfe den Völkern suggerieren, begierig von ihnen eingeschlürft werden! – Die Gläubigen so kindisch plumper Lügen müssen dumm sein, um die Wände einzurennen, oder sie glauben so leicht, weil sie so gern glauben, weil sie glauben wollen.

Es geht aktuell um Kriegsgeschehen. Während die Kanzlerin offensichtlich orientierungslos herumrudert, staunt man über medial vermeintlich schlagfertige Politiker, von denen man schon lange nichts mehr gehört hat. Ein Herr Struck (ehem. Verteidiungsminister) lässt ganz blasiert vom Stapel, daß es schließlich Angelegenheit der Kanzlerin sei, die Bevölkerung zu unterrichten. Ganz unrecht hat er nicht, aber er als damaliger Verteidigungsminister hätte schon längst auch mal seinen Mund aufmachen können. Ganz schweigsam ist der Minister, dem der Kriegseinsatz deutscher Truppen überhaupt zu verdanken ist, der ehem. Außenminister Fischer – der grün-pazifistisch mal ganz ‚aus Versehen‘ in eine Steinewerfer-Demo geraten ist … ?

Wieviel dürfen wir uns gefallen lassen von Politikern, die per Demokratie durch uns gewählt wurden, aber ihre eigene Wahl offensichtlich vergessen haben? Wieviel durch Einflussnahme auf oder durch Presse und Medien? Wie lange schauen wir Stiefeln zu, die im Dreck versinken und 4 Stunden lang beschossen werden, bis Hilfe kommt? Wie lange noch schicken wir junge Menschen in einen ’nur‘ umgangssprachlichen Krieg?

Unsere heutigen ‚Alten‘ haben sich noch nicht erholt vom Trauma des 2. Weltkrieges da erzeugen wir schon wieder nächstes Leid mit Traumata, die Menschen ihr Leben lang nicht verlieren werden … Nein! Das geht so nicht!

Auf Phoenix wird morgen um 13.15 Uhr der Dokumentarfilm ‚Die Afghanistan-Lüge – Die Soldaten, die Politik und der Krieg‘ und anschließend live die Trauerfeier für die getöteten Soldaten des Karfreitags übertragen.

Advertisements

Tagged:, , , , , ,

§ 2 Antworten auf Politik – ganz persönlich

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

Was ist das?

Du liest momentan Politik – ganz persönlich auf Anke's Berliner Zimmer.

Meta

%d Bloggern gefällt das: