Vulkanasche

18. April 2010 § 2 Kommentare

In den 90iger Jahren – Besuch bei Freunden im Süden von Big Island/Hawaii – natürlich besuchten wir die berühmte Kaldera des Kilauea-Vulkans und den Nationalpark mit den Hotspots. Wir hatten alle die Sonnenbrillen auf, so wie es einem empfohlen wird, nur ich schob diese mal kurz beiseite, um mit der Kamera zu filmen, was so ereignisreich ist: wie die Lava ins Meer zischt.

Und dann flog mir was ins Auge,  ich dachte eine Fliege oder so … den ganzen restlichen Tag hat es mich aber nicht bemerkenswert, eben nur ein bißchen genervt. Irgendwann ging ich schlafen, alles ganz unauffällig – aber dann:

am nächsten Morgen: ich wachte auf, der Schädel brummte, ich hatte Schmerzen und sah nach dem Augenaufschlag nur noch eine zertrümmerte Milchglasscheibe (so nenne ich das heute) Ich hatte Fieber und fühlte mich superkrank!?

Der Augenarzt in Hilo hatte sofort entdeckt, was mir unglaublich erschien: Ich hatte Vulkanasche ins Auge bekommen! Ich erlebte 3 Tage Hawaii ‚bei Nacht‘ , er ‚klebte‘ mir nämlich beide Augen zu. Unsere Freunde waren sehr bemüht, ich genoss, ohne sehen zu können ein echtes hawaiianisches Luau, ich erfuhr interessante Hintergründe hawaiianischer Kultur, die mir Freundin Wendy erzählte, um mich abzulenken von dem Desaster, welches ich mir vorstellte.

Die Augen verklebt, entging mir aber nicht, daß Unwetter angesagt waren in der Region, in der wir uns aufhielten und auch nicht, daß Kapoho (schon damals nur ca. 250 Jahre jung) sehr gefährdet war. Unser Beach-House, in dem wir uns aufhielten, befand sich genau dort. Der Ehemann und die damals noch kleinen Kinder packten die Sachen, während ich mit Schmerzen und Fieber kämpfte, nicht sehen konnte aber das Radio hörte. Es war entsetztlich!

Da wir sowieso unter die Evakuierung fielen, der Augenarzt in Hilo auch geraten hatte, sich in Nähe des Flughafens zu begeben, um möglichst schnell im Ernstfall das Krankenhaus in Honolulu zu erreichen, verließen wir den Süden von Big Island, hatten sogar noch ein paar schöne Tage in der berühmten Schildkrötenbucht. Ich durfte inzwischen auch wieder sehen, ging baden mit Sonnenbrille und Schirmmütze.

Der ärztlich angedachte ‚Notfall-Rücktransport‘ nach Deutschland mußte nicht angetreten werden, da sich mein Befinden stabil entwickelte. Wir traten ganz normal die Heimreise an, ich im Gepäck mit ewig vielen sog. künstlichen Tränen, die mir die Flugzeug-Luft erträglicher machen sollten. Alles gut geklappt!

Zurück in der Heimat, damals Rhein-Main, sofort zum Augenarzt – und welches Glück hat mich damals eigentlich regelrecht überfahren? 🙂  Der Doc hatte echt Ahnung, hatte er doch ein paar Semester in Honolulu studiert!  Great! Er hat mir das dann auch mal ganz klipp und klar erklären können: Vulkanasche-Partikel sind hart wie Stahl oder Glas und die Schnelligkeit des Schnittes überfordert  unsere Stressabwehr. Deshalb also das Fieber usw. … alles klar!

Dann gab’s die große Vitamin-A-Kur, die hilft die Narben abzuschleifen – bei mir waren es fünf! Hat alles super geklappt! Genau das Auge ist zwar heute schwächer als das andere, aber hält sich in der sich breitmachenden Alterssichtigkeit recht gut.

Ich bin wirklich glücklich, das alles so überstanden zu haben, vorallem wenn ich daran denke diese ‚zerboxte Milchglasscheibe‘ vor mir zu sehen, von der ich damals dachte: Das war’s jetzt!

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§ 2 Antworten auf Vulkanasche

  • Heiko sagt:

    Wir waren 2000 genau dort in den Flitterwochen und sind stundenlang dort herumgelaufen. Welche unbekannte Gefahr dort lauert, war uns allerdings nicht bewusst.

    • ankeberlin sagt:

      Obwohl wir den Empfehlungen folgten und die Sonnenbrillen trugen, ich sogar ständig nachschaute ob die Kinder ihre noch auf der Nase haben, hat’s mich nur in diesem kurzen Moment des Filmens erwischt. Hab‘ wahrscheinlich einfach nur Pech gehabt. Ein nächste Mal in der Nähe eines Hot-Spots, werde ich lieber durch die Brille filmen … 😉

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