Beschützt und Beschossen

21. Juli 2010 § 2 Kommentare

Sehr geehrter Herr Bundesverteidigungsminister, sehr geehrter Herr Bundesinnenminister,

sollten Sie meinen Blog lesen, wäre ich dankbar für Antworten!

Ich bin einfache Bürgerin und wollte heute einfach nur mal von Moabit zum Potsdamer Platz radeln. Schon an der Moltke-Brücke zeigte sich dieses Vorhaben abenteuerlich. Nicht nur diese Brücke, auch weitere Spreebrücken waren gesperrt. Über Bellevue und Tiergarten fand ich dann meinen Weg.

Auf dem Rückweg hatte ich nur noch das Gefühl, mich in einem durchorganisierten Polizeistaat zu befinden. (sehr unangenehmes Gefühl!!) Polizei in Mengen! Der Tiergarten gen Brandenburger Tor gesperrt, alle 20 Meter ein Mannschaftswagen, Polizisten und Polizstinnen in Schusswesten – es ging kein Weg mehr zwischen Hauptbahnhof und dem Rest der Stadt hinter dem Regierungsviertel.

Bundeswehr Gelöbnis 2010! Sie werben für Verständnis und Anerkennung wenn man den Medien trauen darf. Welche Öffentlichkeit bewerben Sie, wenn ich fragen darf? Das Reichstagsgebäude – offiziell der ‚Parlamentarische Sitz des Deutschen Bundestages‘ ist ‚Das Haus des Volkes‘ so steht es geschrieben, hat das Volk heute garnicht in Ansicht nehmen können, so großräumig wurde abgesperrt und ausgeschlossen.

Deutsche Soldaten werden in der Heimat so vehement beschützt, daß man sich nicht mehr wundert darüber, daß sie in ausländischen Kriegsschauplätzen auch vehement beschossen werden.

Warum kann der Fahneneid nicht, wie früher üblich in den Kasernen geleistet werden? Und warum beschwört man eine Öffentlichkeit, die gar keinen Zutritt hat, sich gequält an Absperrungen entlang den alltäglichen Weg suchen muß? Wieviel Steuergelder hat dieser Großeinsatz gekostet? Und können wir – ‚der Staat‘ uns das überhaupt leisten?  Und wollen wir das eigentlich?

Den Jahrestag des Attentats auf Hitler dafür auszuwählen ist doch einfach nur ungeschickt, denn wer soll denn daran erinnert werden? Die seit Jahrzehnten schlechte Bildungssituation, die politisch initiiert wurde, hat doch dazu geführt daß dieses Ereignis sich gar nicht mehr im Bewußtsein der Bevölkerung befindet. Und auch mit einem so überdimensionalem Polizei-Ereignis wird sich das auf die Schnelle nicht richten lassen. Zuviele Versäumnisse und zuviel politische Unkultur haben dafür gesorgt.

Freundliche Grüße auch an sonstige Politik-Kultur, die das Wort ‚Volksvertreter‘ anscheinend vergessen hat.

Eine noch nicht ganz medienverblödete Bürgerin

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§ 2 Antworten auf Beschützt und Beschossen

  • vilmoskörte sagt:

    Toll, der Souverän wird nicht geduldet. Schon seltsam, dieses Gebaren. Überhaupt geht mir diese scheinheilige Berufung auf den Widerstand, mit der sich unsere Armee ziert, die ansonsten überwiegend in der Tradition der Wehrmacht steht, ziemlich auf den Senkel.

    • ankeberlin sagt:

      D’accord! Für den gebeutelten Steuerzahler stellt sich die Frage, ob es gerechtfertigt ist, daß der Polizeieinsatz zum Schutz der Bundeswehrsoldaten circa 100tausend Euro mehr kostet, als das Gelöbnis? Rundgerechnet ca. 600tausend Euronen (wenn man der Presse traut) für eine Veranstaltung, die der Öffentlichkeit Transparenz bringen soll, von der die Öffentlichkeit allerdings ausgeschlossen wird. Ein bis fünf Kameras, die uns dann dieses Spektakel per Medien offerieren, erinnern doch heftig an Künstlerinnen wie Leni Riefenstahl. Und trotz aller Kunst, die dahinter steckt, hat das einen ziemlich bitteren Beigeschmack.

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