Die Tafel der Demokratie

20. August 2010 § 2 Kommentare

Am Morgen bekundet der Bundespräsident, über die Presse, seine Sorgen über den Zustand der Gesellschaft. Am Abend empfängt er 1500 Bundesbürger zur ‚Tafel der Demokratie‘! Ich habe mal näher hingeschaut, weil ich in diesem Zusammenhang das Wort ‚Demokratie‘ sehr interessant finde. Der Veranstalter ‚Werkstatt Deutschland‘ ‚wählte‘ das geladene Publikum aus, an dem der neu gewählte Bundespräsident sich in Volksnähe erproben durfte. Zu einem Teil bekamen Tageszeitungen Kontingente, die sie verlosten, zum anderen wurden Ehrenamtliche geladen – nach welchem Prinzip ist nicht transparent ersichtlich. Um nur mal drei Beispiele zu zitieren: Die Thüringische Landeszeitung schickte 50 ausgeloste Leser, die Hannoversche Allgemeine 25 Leser, die Märkische Allgemeine 50 Leser … usw.

Die Teilnehmer hatten alle die Möglichkeit Berlin mit der Bundesbahn zu einem Festpreis von 59 Euro oder 89 Euro in der 1. Klasse zu erreichen. Bei der Übernachtung gab es Möglichkeiten zwischen 75 und 195 Euro in drei ausgewählten Hotels, darunter das Hotel Adlon, bei dem noch 39 Euro für ein Frühstück zu bedenken war.

Soviel zu Demokratie und Volksnähe!

Auf der Rückseite der Quadriga und dem weitläufig abgesperrten Brandenburger Tor, gab es die ‚Tafel der Habenichtse‘. Interessante Gespräche bei Linsensuppe über Dornröschenprinzen und -prinzessinen, die offensichtlich mehr als 30ig Jahre lang geschlafen haben? Bescheiden und zurückhaltend – jedenfalls solange bis ich die Veranstaltung noch bei Tageslicht verlies, aber bewacht von einer unmäßigen Anzahl von Polizisten, versuchten Bürger mit demokratischem Verständnis die Not im Staate zu erörtern:

„Hartz IV, die Rückkehr der Armenküche“ – „Leben in wahr genommener und gewährter Würde ist reiches Dasein. Leben in verletzter Würde ist armes Dasein. Elend kommt nahezu zerstörter Würde gleich“

Ich persönlich habe keine Not – noch nicht, auch neige ich nicht zum Neid. Aufgedunsene Veranstaltungen solcher Art habe ich erlebt und überlebt! Mein herzliches Verständnis haben die Menschen, die heute auf der Rückseite der Quadriga für soziale Gerechtigkeit geworben haben – daraus mache ich keinen Hehl! Und wer diese Menschen auch unterstützen will, sich beteiligen und einmischen möchte könnte z.B. bis Anfang September sein ‚letztes Hemd‘ mit Slogan an die Arbeitsgruppe Soziales Berlin schicken. Denn wenn Anfang September im Bundestag über das Sparpaket beraten wird, soll es vor dem Reichstagsgebäude eine lange Wäscheleine* geben …

Armes reiches Deutschland!

*wenn ich da bin und es nicht verpasse, mache ich auch Fotos

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§ 2 Antworten auf Die Tafel der Demokratie

  • Frau Momo sagt:

    Ich bin auch mehr auf der Seite der Menschen, die Linsensuppe gegessen haben. Ich leide momentan auch keine Not, kenne aber Hartz IV auch aus eigenem Erleben und kenne genügend Leute, die damit überleben müssen.
    Ich bin auch nicht neidisch auf die, die mit Herrn Wulff gespeist haben, aber das Geld, was das gekostet hat, hätte man sinnvoller einsetzen können.

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