Trümmerkinder

30. August 2010 § 4 Kommentare

Ihr Leben begann in den Trümmern eines verheerendes Krieges. Hintergrund war oft genug Verlust, Entwurzelung und zerstörte Familienstrukturen, was nicht selten in erhöhtes Sicherheitsbestreben oder aber in den planlosen Reaktionismus der 68iger Bewegung mündete. Viele von ihnen fanden später ihre politische Heimat in der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands.

In den 60iger Jahren fehlten Arbeitskräfte in Deutschland. Es wurden sog. ‚Gastarbeiter‘ angeworben für den Wiederaufbau in Westdeutschland, es kamen Menschen aus Italien, der Türkei, Griechenland usw. Später dann warb auch die DDR ‚Gastarbeiter‘ an, vornehmlich aus dem sozialistischen Ausland. Es kamen Menschen aus Vietnam, aus Afrika usw.

Viele von ihnen sind geblieben und leben heute in der 3. Generation hier, das entspricht eigentlich der Logik menschlichen Verhaltens. Migration hat es schon immer gegeben!

Nun hat ausgerechnet die SPD ein dickes Problem: Eines ihrer Mitglieder stellt heute, in der Bundespressekonferenz in Berlin, ein Buch vor, welches offensichtlich Gedankengut enthält mit dem sich diese Partei ‚eigentlich‘ nicht identifizieren will. Wenn man aber genau hinsieht, so ist ein solches Ereignis nicht verwunderlich. Menschen, die aus überhöhtem vielleicht sogar überzogenem Sicherheitsbedürfnis heraus ständig auf Kosten der Allgemeinheit, die eigene Vorteilsnahme pflegten, förderten und christlich moralisches Denken mit Füßen getreten haben, scheuen sich nicht, weiter zu treten, weitere Grenzen zu überschreiten. Diese Partei wird von ihrer eigenen, jahrzehntelangen Doppelmoral eingeholt und ist derzeit nicht in der Lage, sich als ernstzunehmender politischer Gegner in deutsche Politik einzubringen. Dieses Land braucht aber starke politische Gegner in der demokratischen Mitte, sonst ist die Gefahr groß wieder in den Extremismus abzudriften.

Und wieder einmal liegt es an der desolaten Bildungssituation, welche weite Teile der Bevölkerung zu Statisten stempelt. Das konnte sich ein Land wie Deutschland noch nie leisten, wurde aber devot hingenommen. Auch wenn der ‚Hofknicks‘ vor dem Berufsstand der Lehrer nicht augenscheinlich stattfand, so wurde er viel zu lange durch Schweigen mitgetragen. Und gerade die SPD lebte jahrzehntelang von einer Mitgliederstärke, die durch Lehrer zustande kam.

Herr Thilo Sarrazin hat ’seine‘ Presse und ist demnächst wieder etwas reicher, weil sein Buch dank der Presse zum Bestseller avancieren wird. Dabei hat er selbst nicht ein einziges Mal ‚den Putz vom Ziegel‘ geklopft. So funktioniert ‚Persönliche Vorteilsnahme‘, bestens geschult durch eine Partei-Philosophie, deren Überschrift anderes verspricht.

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§ 4 Antworten auf Trümmerkinder

  • Frau Momo sagt:

    Die SPD ist in den eigenen Reihen ja auch nicht gerade für erfolgreiche Integration berühmt geworden. Einen Herrn Özdemir haben sie nicht, aber dafür einen Herrn Sarrazin…. vielleicht sollten sie sich mal fragen, woran das liegt. Da ist ja selbst die CDU weiter.

    • ankeberlin sagt:

      Herr Sarrazin hat sein Buch von der türkischstämmigen Schriftstellerin Necla Kelec vorstellen lassen und zwar im größten ‚Verein‘ deutscher Journalisten. Die Diskussion ist gewollt und gefordert, genauso wie das Aufbrechen tabuisierter Strukturen. Grundsätzlich ist ein solcher Ansatz nicht zu verurteilen. Schwierig ist die mediale Verwertung einzelner Themen, wie z.B. die Behauptungen was die Genetik betrifft und hier zweifle ich am Hintergrundwissen von Frau Kelec. Einen Herrn Sarrazin, inklusive seiner Behauptungen, in Grund und Boden zu stampfen hat nicht viel mit Aufarbeitung zu tun. Aber wiederholt tut sich die SPD damit hervor, ‚Wichtiges‘ vom Tisch zu wischen. Kein Wunder: eine Partei, die sich im Dauerwahlkampf befindet und ihr Fähnlein immer in den Wind der Macht hängt, disqualifiziert sich selbst. Der politische Gegner, der eigentlich kontrolliert gehört, gewinnt unverdient, trotzdem auch hier kein anderes Verhalten zu verzeichnen ist.

  • tonari sagt:

    Ich neige da zur Vorsicht, weil viele, die jetzt mitreden, das Buch noch nicht gelesen haben (können) und sich nur aus (zusammenhangslosen) Ausschnitten ein Urteil zu bilden, halte ich für sehr gefährlich. Oftmals wird auch nur voneinander abgeschrieben.
    Sicher ist er ein unbequemer Zeitgenosse… Nicht nur für die SPD.
    Ich werde mir meine eigene Meinung bilden, wenn ich das Buch gelesen habe.

    • ankeberlin sagt:

      Gefährlich sind auch planlose und kurzfristige Entscheidungen, die dieser Wirbel verursacht. Sie gefährden unseren demokratischen Rechtsstaat, bedienen Stammtischparolen und spenden destruktiven Alt-Herren-Phantasien Aufmerksamkeit. Vom Zustand der Partei, aus der dieser Mann kommt, mal ganz abgesehen.

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