Knock out

24. September 2010 § 8 Kommentare

Gleichzeitig zur sog. ’neuen‘ Gesundheitsreform inkl. Beitragserhöhung für Kassenpatienten, bekomme ich ganz praxisnah Einblicke in das Berliner Gesundheitswesen. Das ging sekundenschnell: Stolpern, Teller heile, Knie kaputt. Ein echter ‚Knock out‘, denn schlagartig sind alle eigentlichen Termine gestrichen, dafür bekommt man neue, ganz andere.

Ich bin keine geübte Arztgängerin, auch keine gute Kundin der Pharmaindustrie, aber höllische Schmerzen und Fortbewegungsmöglichkeiten, die gegen Null laufen, veranlassen auch mich, einen Arzt aufzusuchen. Die netten Tips von Freunden, doch bitte hier und dort und da hinzugehen, wirkten in diesem Zustand auch nicht prickelnd auf mich. Berlin-Rundfahrten mache ich lieber mit dem Fahrrad.

  • „Wenn sie Neukunde sind, drücken sie bitte die 1,
  • sind sie Privatpatient, drücken sie bitte die 2,
  • für Sonstiges drücken sie bitte die 3,
  • oder bleiben sie einfach dran‘

So der nette Service der angerufenen Praxis. Für einen Weg von ca. 10 Minuten kalkuliere ich 30 Minuten mehr, schließlich hatte ich noch 65 Treppenstufen zu bewältigen. Ich war pünktlich 🙂 Auf einem Plastiktablett bekommt man einen Fragebogen, ‚das Tablett wieder bei der Anmeldung abgeben, den Fragebogen mitnehmen‘ – so heißt es! So viele Schritte rumort es in meinem Kopf. Eins nach dem anderen:

Fragebogen: natürlich wird man gefragt, ob man raucht, allerdings nicht wie viele Tortenschnittchen oder Eisbecher man am Tag verschlingt oder wieviel Liter Alkohol man tagtäglich in sich hineinschüttet. Aber es gibt ja schließlich auch noch die EC-Karten-Betreiber, die solche Daten sammeln.

Behandlung: Ich wurde aufgerufen. Nachdem ich den ‚ewig‘ langen Gang zum Behandlungszimmer bis zur Hälfte hinter mich gebracht hatte, hörte ich meinen Namen schon wieder – Sorry, Leute ich bin heute im Schneckentempo unterwegs. 5 Minuten haben die Ärzte für einen Kassenpatienten, hörte ich neulich im TV. Schweißgebadet versuchte ich mein Knie freizulegen – allein das war schon ein zeitlicher Mehraufwand. Die Ärztin, redete auch nicht viel – ist mir sehr sympatisch, hab’s an dieser Stelle auch lieber pragmatisch. Als sie aber dann nur in die Nähe meines Knies kam, sah sie wohl schon den ‚wilden Blick‘ in meinen Augen, jederzeit in die volle Verteidiung zu gehen 😉 Also gab’s erstmal eine Spritze. Dann noch die obligate Frage nach der Krankschreibung (nö, brauche ich nicht, schließlich male ich nicht mit den Beinen), das war’s vorerst.

Heute geht’s einmal durch die große Stadt, zum Kernspint und dann werde ich Anfang der Woche sehen wie es weitergeht. Bis dahin übe ich den Schneckenschritt und lerne unser Treppenhaus bei längeren Aufenthalten kennen. Eigentlich wollten wir an die Ostsee, um dem Marathon zu entgehen – nun wird beides nix 😦 Mitlaufen werde ich garantiert auch nicht! 😉

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§ 8 Antworten auf Knock out

  • marie418 sagt:

    Ich wünsche dir gute Besserung, sowas ist schnell passiert und braucht lange Zeit um zu heilen, besser wäre wohl der Teller gewesen.

    liebe Grüße
    Marie

    • ankeberlin sagt:

      Auf jeden Fall hätte ich besser den Teller in hohem Bogen von mir werfen und einen ordentlichen Sturz mit Hechtrolle hinlegen sollen. Vielen Dank für die Besserungswünsche! Immerhin habe ich heute meine Schrittgeschwindigkeit schon um ca. 10% erhöhen können 🙂

  • tonari sagt:

    Immerhin, Du hast sofort einen kernspin-Termin bekommen. Das ist schon mehr als mancher erwarten darf. 😉
    Ich wünsch Deinem Knie gute Besserung und Dir viel Geduld beim Erhumpeln der Stadt.

    • ankeberlin sagt:

      Nach all‘ den Schauermärchen, die ich inzwischen so gehört habe, scheint es mir auch ein Glücksfall zu sein, so schnell einen Termin bekommen zu haben. Vielen Dank für Deine Grüsse, ich werde alles daran setzen um mich zu bessern! Und beim Erhumpeln lassen sich sicher auch interessante Eindrücke gewinnen 😉

  • Stadtmusikante sagt:

    Autschn…..!
    Das hört sich aber gar nicht gut an. Knie geprellt mit schönem bunten Bluterguss? Da hat frau lange etwas davon und es tut elendig weh…….
    Ich wünsche dir eine möglichst schnelle Besserung. Dir weitere Eisbeutel zu schicken macht wohl wenig Sinn. Deswegegen sind es nur viele gute Wünsche!
    Trotzdem ein schönes Wochenende und liebe Grüße.

    • ankeberlin sagt:

      Bis jetzt hat sich noch kein bunter Bluterguss eingestellt, auch keine bemerkenswerte Schwellung, für fachkundige Augen sieht das Dings allerdings katastrophal aus … ??? 😦 Ich hoffe allerdings immer noch, daß es nicht ganz so schlimm ist, wie sie hier alle um mich herumprophezeihen, denn heute konnte ich doch ganz gut zurechtkommen. Eingeschränkt, aber doch relativ schmerzfrei. Aber gut, ich habe auch einen Luxus: die Zeit! Und die nehme ich mir jetzt auch mal ganz ungeniert! Vielen Dank für Deine lieben Grüsse und Wünsche 🙂

  • inselkind sagt:

    ohje- fühle mit dir.
    bin momentan auch ein humpelndes etwas und kenne das problem, nicht pünktlich im behandlungszimmer anzukommen ;O)
    wünsch dir gute besserung!

    • ankeberlin sagt:

      Hey, hey! Hab‘ schon gehört von Deinen Eskapaden … freue mich aber, daß Du schon wieder ‚internetfähig‘ bist! Gute Besserung und laß‘ Dich ein bißchen verwöhnen, sodaß Du schnell wieder auf die Beine kommst. In Berlin verpasst Du momentan nichts, es regnet … wie schon seit Tagen …

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