Politik, Moral und Geschichte

24. Februar 2011 § Hinterlasse einen Kommentar

Eigentlich wollte ich mir eine Stellungnahme zur ‚Causa zu Guttenberg‘ verkneifen, zu widersprüchlich erscheinen mir all‘ die Argumente die z. Zt. rauf und runter in der Medienlandschaft diskutiert werden. Zudem ergiessen sich Häme, Spott, Wut und Lobehudelei über einen Menschen, in einem Ausmass welches beängstigend wirkt.

Darf politische Leidenschaft dazu führen moralische Grundregeln auszuhebeln? In welcher Rolle hat sich Freiherr zu Guttenberg gesehen und in welcher sieht er sich jetzt?

An der Quadratur des Kreises (Politiker, Wissenschaftler, Familie) scheiterten und scheitern Heerscharen an Frauen, meist weil sie Mütter wurden und/oder aber tradierten Werten nicht entkommen. Wie kann ein solches Argument im Zeitalter ‚Heute‘ für einen Mann gelten? Sog. repräsentative Umfragen ergeben einen überproportionalen Beliebtheitsgrad für einen Politiker, der eloquent und frisch den Staub aus deutschen Amtsstuben wischt – so schien es jedenfalls. Was aber steht hinter der Bundeswehrreform und der Abschaffung der Wehrpflicht, für ein Land wie Deutschland welches aufgrund seiner Geschichte noch gar nicht reif dafür ist? Wie viel politische Kreativität bleibt einem Minister von Merkel’s Gnaden und wohin führt diese Art Hurra-Patriotismus?

Wie fühlen sich all‘ diejenigen, die wirklich ihr Gehirnschmalz geknetet haben, während ihrer meist langjährigen Ausbildung und Promotion, und wie fühlen sich deren Eltern, die dass ermöglicht haben? Alles nicht so wichtig? Ist pure Cleverness die Promotion der Zukunft? Kann man unter allen Umständen an einer Karriere festhalten? Beinhaltet dies nicht ein hohes Mass an Rücksichtslosigkeit? Strahlt diese Rücksichtslosigkeit Stärke aus – oder wie erklärt sich eine so große Beliebtheit?

Eine nette Familie präsentiert sich hier, ganz ähnlich der des gegenwärtigen Bundespräsidenten. Beide Frauen entsprechen einem Frauenbild vergangener Zeiten, sie managen Familie und Haushalt mit Leichtigkeit, gestyled polstern sie die Karrieren ihrer Männer repräsentativ im Biedermeier-Stil. Und ganz nebenbei füttern sie mit ihrer Art Sozialdienst die Emotionen einer Gesellschaft in der die Kluft zwischen arm und reich immer grösser wird.

Schade, Freiherr zu Guttenberg wäre eine Bereicherung für Deutschlands Politik. Einer wie er hätte tatsächlich den Mief verkrusteter Strukturen lüften können – hat sich aber zugunsten seiner Blitzkarriere in der Vergangenheit nicht genügend Zeit genommen, um seinen talentierten Denkapparat zu nutzen. Nun wird er zum Handlanger einer Machstruktur, die seit Jahren bedenklich macht. Die Opposition täte gut daran, zur Sachlichkeit zurückzukehren und die Würde des Menschen zu respektieren. Die Medienhatz zu unterstützen ist genauso wenig ein Werkzeug politischer Kompetenz, wie eine plagiierte Dissertation über Verfassung und Verfassungsverträge. Bleibt noch festzustellen, dass durch die Universität Bayreuth der Ruf deutscher Wissenschaften beschädigt wurde.

Die CDU/CSU macht sich nicht nur über dieses Debakel unwählbar für Frauen, allerdings trägt es dazu bei, die unerträglichen Diskussionen zur Frauenquote näher zu überdenken. Ich jedenfalls möchte nicht in einem Staat leben, in dessen Regierung zwar eine Frau den Vorsitz hat, diese aber an Biedermeier-Strukturen festhält.

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