Bunte Blazer

8. März 2011 § 2 Kommentare

 

Weltfrauentag – was für eine Debatte? Der ’sozialistische Muttertag‘ der DDR wurde im Westen kaum zur Kenntnis genommen und Fresien* bekamen die Mütter dort, wenn überhaupt am offiziellen Muttertag, dessen Überhöhung einen ähnlichen geschichtlichen Hintergrund hatte. Frauen neben der Familienarbeit in die Erwerbstätigkeit zu zwingen, ist eine Folge des sozialen Wandels, entstanden durch die Industriealisierung.

Nun sollen also die Frauen mit der Kneifzange in Führungspositionen installiert werden. Ohne die Regeln der Eignungsdiagnostik auszuhebeln kann das wohl kaum gelingen – oder hilft da ein bisschen Barbiepuppe spielen? Raus aus den Rüschen – rein in die bunten Blazer? Und wie viele Frauen in der Republik interessiert das eigentlich?

Eine Mehrheit der Frauen ist interessiert an ordentlichen Löhnen und Gehältern, flexiblen Arbeitszeiten und gerechter Rente. Die Situation der Kinderbetreuung ist nach wie vor unerträglich, sie entspricht in keiner Weise den Anforderungen einer mobilen Gesellschaft. Heerscharen von Grosseltern leisten ‚ehrenamtlich‘ Dienste in diesem Bereich, denn nicht jeder kann den staatlichen Erziehungsmechanismen Positives abgewinnen. Was man im Osten gewohnt war, wird im Westen nicht selbstverständlich hingenommen – dort gestaltet man sein Familienleben ganz gern noch selbst.

Welche Effekte soll die Zwangsrekrutierung von bunten Blazern in Führungsetagen großer Unternehmen bringen? Solche Frauen finden nach einigen Jahren ihre Unterlagen nicht mehr selbst, auch keinen Parkplatz** und fallen in Ohnmacht wenn die Kita anruft, weil das Kind Brechdurchfall hat.

Vielleicht sollten wir alle mal wieder darüber nachdenken, ob wir leben um zu arbeiten oder arbeiten um zu leben? Die ständige Erfindung neuer Hierarchien ist wenig lösungsorientiert, ich behaupte sogar ein Zeugnis von Inkompetenz. In ferne Länder zu schielen, um einen geringen Fortschritt im eigenen Land zu zementieren ist ebenfalls keine Lösung.

Vor der eigenen Haustür kehren, und die Ungerechtigkeiten zwischen Ost und West in Deutschland beseitigen, wäre doch schon mal ein guter Anfang? Aber bitte das Geschichtsbuch dabei nicht vergessen! Und wie steht es um das mentale Selbstverständnis von Frauen in Deutschland? Fühlen sie sich immer noch verpflichtet, Männer zu beschützen, zu pflegen und erotisch zu begeistern? Zeitgemäß wäre eine partnerschaftliche Gegenseitigkeit – wer arbeitet daran? Die Vorstände großer Unternehmen vielleicht? Die nächste Weihnachtsfeier kommt bestimmt … und schon schweben sie wieder in den Landschaften von Rosamunde Pilcher, dabei haben sie ganz vergessen dass sie ja ’nur‘ einen bunten Blazer anhaben …

Ich bin Frau, also bin ich – und stehe ganz gerne auf beiden Beinen, dann ist der Kopf stabiler 😉

 

* Angela Merkel in ihrer Videobotschaft zum Weltfrauentag

** Heide Simonis beim Lanz-Talk (TV)

 

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§ 2 Antworten auf Bunte Blazer

  • tonari sagt:

    Das Thema bietet Gesprächsstoff für unendliche Kaffeedebatten. Ich bin Frau in Führunsgsposition, keine Quotenqueen, Mutter nur noch als Begleitservice, (hoffentlich) erotische Ehefrau, pflegende Enkelin, Pilcherbücher & Co. ablehnende mündige Leserin.
    Aber gelegentlich trage ich den Blazer, der nicht schwarz ist, um mich von den Pinguinen zu unterscheiden 😉

  • ankeberlin sagt:

    Durchdachte Fassadenbegrünung fördert nachweislich das gesamte Raumklima, während Mauerblümchen nur sehr begrenzt alten Mörtel zusammenhalten … 😉

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