Erdbeben Tsunami GAU

13. März 2011 § 4 Kommentare

Die apokalyptischen Bilder aus Japan prasseln per TV in mein Wohnzimmer und anfangs war ich einfach starr vor Entsetzen. So langsam regt sich aber auch die Wut in mir, eine Wut die mir sehr bekannt vorkommt:

Es war im April 1986, bei stahlblauem Himmel schien die Sonne den ganzen Tag über Hessen. Die Kinder spielten in der Sandkiste, endlich mal ausgiebig nach dem langen Winter, während die nukleare Wolke über uns hinweg zog. Das Informationschaos * machte nicht nur mich wütend. Tagelang lies uns die Politik im Ungewissen, um dann in gegensätzlichen Aktivismus umzuschwenken. Die ‚Alten‘ waren keine Ratgeber, die kannten nur Krieg mit sichtbarer Zerstörung. Lieber nicht wahrhaben diese unsichtbare Zerstörung und das Gewohnte weiterhin wählen.

25 Jahre danach, fliegt vor unser aller Augen das Gebäude eines Atomreaktors in die Luft, und die Regierenden haben offensichtlich nichts anderes zu tun, als unintelligente Beschwichtigungsfloskeln von sich zu geben und die Kunst politischer Rhetorik zu perfektionieren?

Spätestens seit Galileo Galilei wissen wir, das die Erde rund ist und kleiner als wir uns manchmal vorstellen. Schade, dass ich immer noch nicht wirklich reisefähig bin, aufgrund meiner Fussverletzung. Ich wäre dabei gewesen, bei der Menschenkette zwischen Neckarwestheim und Stuttgart – gestern.

Politiker dürfen nicht nur sich selbst und ihre Macht verwalten, sondern müssen der Verantwortung gerecht werden, die sie übernommen haben – ansonsten sind sie fehl am Platze. In diesem Sinne viele Grüsse aus Berlin in die alte Heimat Stuttgart: „Weiter so, Ihr seid ein Hoffnungsschimmer für die ganze Republik!“

* Umweltinstitut München e.V.

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§ 4 Antworten auf Erdbeben Tsunami GAU

  • mayarosa sagt:

    Liebe Anke,
    angesichts der Desinformationspolitik der japanischen AKW-Betreiber und der dortigen Regeierung habe ich auch ein Déja-vú. 1986 ging ich in Bayern zur Schule. Bekanntlich kam da ja auch eine Menge Atomregen aus Tschernobyl nieder …
    Ich bin einerseits entsetzt und trauere mit den Menschen in Japan. Die Bilder sind schrecklich.
    Und natürlich frage ich mich: Was heißt das für unsere AKWs?

    • ankeberlin sagt:

      Nur ‚Abschalten‘ sehe ich nicht als gelungene Alternative. Im AKW Kahl am Main wabberte noch Jahre nach der Abschaltung die radioaktive Brühe und heute weiss niemand, wo sie nach dem Rückbau geblieben ist. Vielmehr als bisher muss das Wissen um die Gefahren in das Bewusstsein der Menschen gelangen. Ein gesellschaftlicher Wertewandel ist notwendig. Nicht nur materielle Bereicherung und veraltete oder fragwürdige Insignien der Macht dürfen mit Erfolg gleichgesetzt werden, denn wie sonst sollen die Generationen nach uns verstehen, dass eine Rückabwicklung von Atomenergie-Anlagen höchster Sorgfalt bedarf?

  • mayarosa sagt:

    Naja, aber die Rückkehr zum alten von rot-grün ausgehandelten Atomkompromiss wäre ja wenigstens mal ein Anfang und würde zumindest das Aus für die ganz alten Meiler in diesem Land bedeuten.
    Bevor sie in die Luft fliegen. Fukushima sollte Ende des Monats vom Netz gehen …

  • ankeberlin sagt:

    Es muss endlich was geschehen – ganz klar! Die Laufzeitverlängerung, so wie sie durch die derzeitige Regierung beschlossen worden ist, ist mehr als ein fauler Kompromiss. Allerdings haben der ‚Basta-Kanzler‘ und der ‚Turnschuh-Minister‘ nicht gerade das Vertrauen in die rot-grüne Politik gestärkt. Und die Noch-Aktiven Bundespolitiker dieser Parteien hinterlassen leider den Eindruck, dass ihnen das ‚wohlgenährte und -gesicherte‘ Abgeordneten-Dasein besser gefällt, als Politik im Sinne der Menschen im Land zu gestalten.

    Stillgelegte alte Meiler sind nicht automatisch geschützt vor Explosionen – im Gegenteil …

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