Einfach kompliziert

14. Juni 2011 § Hinterlasse einen Kommentar

… brillierte Gert Voss im gleichnamigen Stück des Berliner Ensemble. Die Wiener Theaterbrise war auch an der Spree zu spüren und Thomas Bernhards Mono- und Dialoge brachten die Leute zum Lachen und zum Weinen. Ein bisschen anstrengen musste man sich schon, um das Infantile und Skurrile des Alters zu entdecken. Letztendlich sind wir umgeben davon im Alltag, jeden Tag und werden, wenn wir Glück haben irgendwann selbst dort landen.

Sehr schön war auch, danach bei sommerlichen Temperaturen, die Szenerie am Schiffbauerdamm zu genießen um nächtens nachhause zu radeln. Ich genieße immer wieder die Lichter über der Spree, zwischen den Regierungsgebäuden und vor allem diese unglaubliche Ruhe dort, um diese Zeit. Keine schlecht sitzenden Anzüge oder Kostüme stressen mobiltelefonierend vor TV-Kameras  umher, die Fahrbereitschaften verstopfen nicht die Auffahrt vor dem Abgeordnetenhaus, die Sicherheitszelte wirken wie eine Kleingarten-Kolonie vor dem Reichstagsgebäude und selbst, die ständig Dienst habenden Polizisten, scheinen sich im Halbdunkel zurück zu halten. Alles ist bzw. wirkt unglaublich friedlich um diese Zeit.

Den Kopf noch voll von Mono- und fast nicht stattfindenden Dialogen, führte unser Weg an der Installation der US-amerikanischen Künstlerin Jenny Holzer vorbei: eine Stele mit LED-Leuchtband, im Nordportal des Reichstagsgebäudes

Alle Reden und Zwischenrufe der Abgeordneten seit 1871 sollen dort wiedergegeben werden, wenn man dem Willen der Künstlerin nachgekommen ist!? Bis 1992 wurden sie eingespielt, wer den Rest überprüft, who knows … ? Es ist aber kaum vorstellbar, dass der Deutsche Bundestag seinen vertraglichen Pflichten nicht nachkommt, deshalb können wir annehmen dass wir alles lesen können, wenn wir denn die Zeit haben und es wollen … 😉 Ein ‚Programm‘ wäre nicht schlecht, dann könnte man z.B. mal extra hingehen – zu Herbert Wehner vielleicht? Jedenfalls hat man ihn kompliziert einfach verstanden, wenn man sich die Mühe gemacht hat. Selbstverständlich geht es hier nicht um Meinungsbildung, deshalb verkneife ich mir auch eine Bewertung, denn Franz Josef Strauss wäre sicherlich auch eine publikumsstarke Nummer.

Auf jeden Fall brauchen Politiker offensichtlich mehr als ein Jahrhundert, um weniger als das Mindeste dessen auszudrücken, was unter der Leitung von Claus Peymann im Theater in 2 Stunden möglich ist.

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