Teure Sandkiste

7. August 2011 § 3 Kommentare

Ich mache keinen Hehl daraus, dass ich als steuerzahlende Westdeutsche, lebend in Westdeutschland so manchmal die gerümpfte Nase mit kritischem Blick verband, als mal wieder die Protz- und Prunkbauten in der neu gekürten Hauptstadt durch die Medien flanierten. Jetzt lebe ich, als steuerzahlende Westdeutsche, inmitten der feudalen Prunkbauten bundesdeutscher Demokratie, aber gleichzeitig auch in einer Stadt, in der Armut mehr als offensichtlich wird. Berlin – eine Stadt, in der Parallelwelten regelrecht in einen Wettbewerb treten.

Wie der Tagesspiegel berichtet, wurde der Bau des neuen Bundesinnenministeriums gestoppt, die Gründe kann man dort nachlesen, ebenso Kosten, Zahlen und Historie. Nun haben wir also eine große Sandkiste, unweit der Spree, die rund um die Uhr von Uniformierten und Videokameras bewacht wird, die für teueres Steuergeld brach liegen wird, und zudem das schöne Spreeufer verschandelt. Die Berliner Politik zeigt sich unverständlich genug, aber hier haben wir mal wieder ein typisch bundesdeutsches Desaster inmitten einer Stadt.

Meine kleine Fotocollage kann das vielleicht verdeutlichen? Das Bild in der Mitte zeigt die Achse in Richtung Alex: Rechts die bundesdeutschen Kanzlergärten, links Berliner Stadtbegrünung. Den Gärtner mit der Nagelschere habe ich noch nicht getroffen, aber ich weiß  und sehe, dass die Bundesgärten eine sehr viel höhere Aufmerksamkeit erhalten, als die Berliner monetär möglich machen könnten. Deshalb wird rechts vom Weg gekehrt und geschnitten, während links verwildert. Die Entwässerungsrohre für die ‚teure Sandkiste‘ fallen dort vielleicht nicht so auf? Wieviel Miete bekommt Berlin eigentlich für die sich verlängernde ‚Belagerung‘?

Aber Berlin weiss sich ja immer irgendwie zu helfen und deshalb blühen die Wildblumen besonders schön auf dem nicht betüdelten Bereich dieser Szenerie. Ich glaube sogar, die ‚Kanzlerpflanzen‘ blicken oftmals neidisch über den Weg … 😉

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§ 3 Antworten auf Teure Sandkiste

  • tonari sagt:

    Entwässerungsrohre? Nun ja. Solch Gebilde dienen im Allgemeinen bautechnischen Besonderheiten, sprich Grundwasserabsenkungen. Sie werden – wenn möglich – nicht in die Kanalisation geführt, sondern direkt ins Gewässer (so es denn die Qualität des abgesenkten Grundwassers zulässt.)

  • Wassily sagt:

    Die formschönen pinkfarbigen Rohre sind mir in Berlin auch schon mehrfach aufgestoßen.

    In deiner alten Heimat Stuggi werden die ab heute auch verlegt, in blau … und 17 Kilometer lang oberirdisch durch die Innenstadt. Wenn die überhaupt zum Verlegen kommen – es wird blockiert rund um den Schloßgarten.

    Spätestens mit diesen Rohren werden die Stuttgarter merken, was im nächsten Jahrzehnt (oder länger) auf sie zukommt.

    Oben bleiben !

  • ankeberlin sagt:

    So werden also schnöde Entwässerungsrohre in Pink oder Bleu zu Denkmälern und Wahrzeichen, zu denen unsere Enkel pilgern werden, weil hier ihre vergangene Zukunft und gegenwärtige Vergangenheit, vergeigt wurde … durch schnöde Pumpen, die Steuergelder ins Off befördern …

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