Abschiedsreise

14. November 2011 § 2 Kommentare

Im Juni sind wir noch durch Berlin geradelt und über die Spree geschippert und nun? Knall auf Fall sagt einer der besten Freunde ‚Ade‘ und kommt nie mehr wieder. Das macht mehr als traurig …

Und so traten wir die Reise an, in den wunderschönen Nordschwarzwald

Was für ein Plätzchen hat er sich ausgesucht und was für ein Wetter hat er uns allen – die meisten weit angereist – beschert?! Bei aller Trauer befällt einen ein leichtes Schmunzeln. Ja, so war er! Immer dieses positive Lächeln im Gesicht, den Schalk im Nacken – so hat er auch die schwierigsten Hürden genommen, viel ertragen, immer sein Gegenüber eingeladen, das Schöne und Angenehme des irdischen Daseins zu genießen.

Wir hatten Quartier in Stuggi-Town und haben wie selbstverständlich ‚die‘ Kneipe aufgesucht, in der wir viele Feste und supergute Parties zusammen gefeiert haben – und siehe da, der Wirt – auch inzwischen ein Freund hat – hat mal wieder musikalisch sein Bestes gegeben. Prominente Künstler aus ‚der anderen Sparte‘ waren auch an Bord und in bester Stimmung – so hätte es ihm gefallen 🙂

‚Dieser Freund will, dass dass wir nicht weinend durch die Gegend laufen‘ – dieser Gedanke zwängt sich uns auf, denn ausgerechnet an diesem Wochenende ist auch noch ein gemeinsames Highlight am Start: die ‚kulinart – die Messe für Genuss und Stil‘. Wir denken an das Champagner-Frühstück vor 30 Jahren im ’neuen‘ Altbau in der Schweiz, an die brüchige Seidentapete im Esszimmer und die Antik-Bibliothek im Salon; an die Mega-Linde im Hof, deren Blüten uns 3 Tage beschäftigten, an die gemeinsame Zeit in Rhein-Main, die Hochzeit auf dem Schloss im Taunus, die gemeinsame Zeit in Stuttgart undundund …

Natürlich gehen wir zur kulinart! Schon der Parkplatz im Römerkastell beeindruckt mal wieder mit seiner exklusiven Beleuchtung

Die Autos stehen, wie im Wohnzimmer: sanft beleuchtet! 🙂 Und als hätten wir noch nicht genug erlebt an diesem Tag kommt gleich noch ein nächstes Highlight auf uns zu. Erna & Co ist da! Ich bin satt bis oben hin, weil der Freund uns schon einen kulinarischen Abschied beschert hat, indem er uns in sein irdisches Lieblingslokal eingeladen hat, und jetzt muss (!!) ich auch noch mindestens eine Maultasche essen. Wer kommt in Stuttgart noch an Erna & Co vorbei? Also, vor dem Messebesuch wird die Maultasche probiert und danach die Linsen mit Spätzle und Saiten. Das ging nur, weil wir uns auf der Messe mit Probieren mehr als zurückgehalten haben. Was uns erstaunt hat war, dass bei allen Spezereien – vom Champagner, über Genuss-Schinken und – Salamis, Käse, Pralinen, Nüssen bis hin zu Trüffelbutter und – käse, uns ständig Messepersonal mit Maultaschen-Tellern überholte. Aber es ist ja auch kein Wunder, die Dinger sind so ’saugut‘ – und die Linsen & Co stehen dem in nichts nach. Unglaublich! So einen ‚Imbiss‘ habe ich noch nicht erlebt! Ich möchte bitte einen Ableger in Berlin! 😉 🙂

Ein schwäbischer Bäcker in Berlin-Prenzlauer Berg hat seine Werbe-Brezel zwar falsch herum aufgehängt, dafür bäckt der portugiesische Bäcker in Mexico City ziemlich gute und die Bratwurst in Singapore China Town ist besser als so manche hierzulande – soweit meine internationale Erfahrung. Es sollte doch möglich sein, eine Erna & Co – Maultasche ohne Qualitätsverlust nach Berlin zu bekommen? 😉

Von der kulinart weiter zum Schlossplatz, die Eisbahn ist in Betrieb, die Glühweinstände auch, aber für mich musste es noch eine ‚Rote‘ sein – die gibt’s hier in Berlin auch nicht … 😉 Markthalle  und Rathausplatz  (Nein! Bahnhofruine und Bahnhofstress haben wir diesmal nicht besichtigt), danach wurde es auch im milden Stuttgart knuffig kalt. Tja, und wie das so ist wenn mehrere Leute unterwegs sind und darunter Raucher sind, dann sucht man ein Lokal, welches alle zufrieden stellt. Nichtraucher sind nämlich nicht immer aggressiv … 😉 Und siehe da, auch hier hat Stuttgart den Menschen etwas zu bieten. Ein gemütliches Lokal, nicht heruntergekommen im letzten Eck, sondern um’s Eck und mittendrin. Beliebt wie mir scheint, denn die Bude war voll und wir haben uns alle sehr wohl gefühlt, bis in den späten Abend 🙂

Auf der Heimfahrt entdeckten wir die neu eröffnete Autobahn zwischen Schweinfurt und Erfurt und bei blendendem Sonnenschein genossen wir die Fahrt durch den Thüringer Wald. Dieses Wochenende war vollgestopft mit Sonne, Highlight’s und Qualität – dabei sind wir zu einer Beerdigung gefahren, einem Abschied – für immer, wie man so sagt …

Mir scheint, nicht wir haben einen Abschied beschert, sondern unser verstorbener Freund hat uns gelehrt, das Leben zu leben … und irgendwie schien es so, als hätte er das alles minutiös geplant …

So ist das Leben! – hat meine Oma immer gesagt. Und ja, das Leben geht weiter – in Deinem Sinne lieber M. 🙂

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§ 2 Antworten auf Abschiedsreise

  • wassily sagt:

    Manchmal braucht es traurige Ereignisse, um dann umso fröhlicher das Leben genießen und schätzen zu können.

    Ich habe einige Stationen deiner „Heimkehr“ gut nachvollziehen können – und der Musicclub war wohl die Taverne Timbales, nicht ?

    A propos Heimweh nach Maultaschen. Hermanns Einkehr in Wilmersdorf ist oder war zumindest damit immer gut bestückt…

  • ankeberlin sagt:

    Danke für die Maultaschen-Empfehlung. Wird bei Gelegenheit ausprobiert! 🙂
    Na klar waren wir im Timbales 🙂

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