fringsen

18. Dezember 2011 § 4 Kommentare

In Hannover gibt’s die weltbesten Kümmelbrötchen! Welcher Bäcker sie nun genau herstellt, kann ich leider nicht sagen, da ein lieber Mensch vor Ort, sie immer schnell besorgt, wenn ich, selten genug, dort mal ‚vorbeischneie‘. In diesen Tagen wird mir offensichtlich, dass Hannover aber nicht nur aus Kümmelbrötchen besteht, sondern eher den, bisher vernachlässigten Nabel deutscher Weltlichkeit repräsentiert. Weichen werden in Hannover gestellt, wie kleingeistig wundere ich mich da noch über die S-Bahn in Berlin?

Die Radarwellen initiierter Polit-Orgasmen stranden in den Dünen der kontinentalen Regierungswüste, vor denen selbst meteorologische Orkane kapitulieren. Der Sturm hatte sicherlich Mitleid mit den fragilen Figuren – anders ist es ja kaum erklärbar …?

Im Tagesspiegel lässt man Herrn Geißler mit Frau Wagenknecht streiten, um Luft zu kriegen von den anstrengenden Diskussionen über teure ‚Vielweiberei‘ bzw. Patchwork-Familien … und was soll das jetzt?

Gerne höre oder lese ich Frau Wagenknecht in ca. 20 Jahren zu, nachdem sie ihre Kinder geboren und erfolgreich ins Leben implementiert hat. Gerne höre und lese ich auch Herrn Geißler, wie er mir Stuttgart *mit* 21 erfolgreich erklärt – und ich gönne ihm die 20 Jahre, die er dazu braucht. Als bundesdeutscher Familienminister hat er mein mütterliches Rentenkonto nicht zufriedenstellend bedient und muss somit diese Phase seiner Vergangenheit nicht ruhmtriefend erwähnen.

Ich bin nicht mehr so jung wie Frau Wagenknecht, aber auch noch nicht so alt wie Herr Geißler, und ich habe Kinder geboren, erzogen und ins Leben geschickt, ein geraumer Zeitraum fand dabei in Stuttgart *ohne* 21 statt! Darüber konnte ich kennenlernen, daß es in Stuttgart genügend Kümmelbrötchen gibt, die schlecht schmecken, genauso wie die hochgelobten schwäbischen Brezeln. Wer eine Münchner Brez’n vor der Amigo-Affaire kennt, weiß worum es geht …

Parteipolitische Ablenkungsmanöver sind ja manchmal ganz witzig, auch wenn sie vielleicht unvorstellbare Grenzen sprengen … aber sie sind doch dann auch wieder lächerlich, wenn sie als Tünch-Material erkannt werden. Die Absolution durch Kardinal Frings, die am Silvestertag des Jahres 1946 erteilt wurde, hinterlässt seine wenig hinterfragten Strukturen: das sog. ‚fringsen‚ – wer damit groß geworden ist, fühlt sich moralisch nie schuldig, sondern im Recht, ob verstanden oder nicht …

Spät, aber nicht zu spät, empfinde ich schon eine große Freude darüber, dass ich nicht wie die sog. Kolleginnen von Conti & Co. zum blondierten Kümmerbrötchen wurde – manchmal überrascht einen das Leben … Danke! Es ist auch ohne diese Überraschung sehr interessant geworden 🙂

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§ 4 Antworten auf fringsen

  • mayarosa sagt:

    Liebe Anke, ich gestehe, dein Post setzt so viel Hintergrund voraus, dass ich nicht genau verstehe, was du meinst.
    Also die Wagenknecht hat mit dem Geißler in Hannover disktuiert? – Über Themen, über die sie deiner Meinung nach besser hätten schweigen sollen?
    Und was hat das mit „fringsen“ zu tun? fringsen ist kölsch für Mundraub und geht zurück auf Kardinal Frings, der hat in den harten Wintern nach dem Krieg den Gläubigen sagte, aus christlicher Sicht sei es okay, sich ein paar Kohlen zu holen, um nicht zu erfrieren oder ein paar Kartoffeln, um was zum Futtern zu haben.
    Hilf mir doch bitte auf die Sprünge.

    • ankeberlin sagt:

      Wagenknecht und Geißler haben, wie erwähnt im Tagesspiegel diskutiert. Ich weiß nicht wirklich, auf welchen Zug sie aufspringen wollten, vielleicht in den, in dem sie selbst schon sitzen?
      Schweigen müssen sie nicht, allerdings nimmt man als Mensch mit Erfahrungswerten, theoretisches Geplärre auch zur Kenntnis, dies führt nicht unbedingt ins Vergnügen …

      Kardinal Frings war damals, Silvester 1946 doch vollkommen auf der richtigen Seite, nämlich der Menschen die gehungert und gefroren haben, die nicht wußten wie sie ihre Kinder durchbringen. Irgendwie kennen wir doch alle diese Geschichten der ‚Kohlen-klau-Oma’s’und ihrem wahrhaftigen Mut?!Ganz nebenbei und ohne sich dessen bewußt zu sein, haben diese mutigen Mütter ihre Kinder in die Welt des Klüngels sozialisiert. Die Not ist schon lange nicht mehr an Bord, aber der Klüngel ist geblieben und schafft ganz kontraproduktiv neue Not.

      ‚Mutter Courage‘ von Bertold Brecht erklärt uns dieses Phänomen eindrucksvoll, wunderbar und immer noch zeitgemäß. Hormongesteuerte Politiker halten die ‚kleine deutsche Welt‘ in Atem, so scheint es – sie senden und senden … Ob ihre überflüssigen Botschaften ankommen interessiert sie nicht wirklich, Hauptsache ihre Bezüge stimmen inklusive Renten- bzw. Pensionsansprüche. Und ansonsten gilt: Nach mir die Sintflut! Für Menschen ohne Kinder oder fehlender sozialer Kompetenz ist das ganz einfach …

  • mayarosa sagt:

    „Ganz nebenbei und ohne sich dessen bewußt zu sein, haben diese mutigen Mütter ihre Kinder in die Welt des Klüngels sozialisiert.“
    Wieso wird jemand in den Klüngel sozailisiert, wenn er mit Mundraub großwird?

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