Bittersüß

18. Februar 2012 § Hinterlasse einen Kommentar

Der Rücktritt des Bundespräsidenten, der zu erwarten war – ja sogar von vielen herbei gesehnt wurde – hinterlässt einen fahlen Nachgeschmack und keine wirkliche Vorfreude auf die Nachfolge. Der Sympathieverlust den das Ehepaar Wulff hinnehmen muss, gilt auch für das Amt.

Was haben wir Bürger erlebt mit diesem angeblich so ‚jungen und dynamischen‘ Paar? Und passt die Rolle des Ehepartners in diesem Amt überhaupt noch in die Zeit? Die Berliner Morgenpost empfindet Mitleid mit Frau Wulff, sagt ihr Ehrgeiz und ‚Sehnen nach Glamour‘ nach. Das ausgerechnet die Nähe zu einem Filmproduzenten nun den finalen Stolperstein geliefert hat, lässt tief blicken und erklärt viel. Ehrliche Steuerzahler ertragen diesen ganzen Zirkus angewidert.

Ich fand so manchen Auftritt dieses Paares eher peinlich als glamourös. Ob man mit 38 Jahren in einem Kostüm, welches an Gabrielle Bonheur Chasnel alias Coco Chanel erinnert, mit steifem Lächeln neben einem Mann stehen muss, der sich offensichtlich immer noch für rechtschaffend artig hält, kann ich auch nicht wirklich einordnen. Konservativ zu sein im Sinne traditioneller Entwicklung muss nicht wirklich schlecht sein, ist aber dann schlecht, wenn es keinen Unterbau gibt. Dann wirkt es albern, aufgesetzt und bestätigt eine unwirkliche Bussi-Bussi-Gesellschaft.

Brauchen wir Vortänzer für ein solches Traumtheater oder sind wir individuell romantisch genug, unsere eigenen Empfindungen zu leben?  Haben wir genügend politische Aufmerksamkeit, um zu merken dass die Machtfrau, genannt Bundeskanzlerin auch noch unsere, und nicht nur ihre eigenen Interessen vertritt? Hat wirtschaftliche Kraft nicht viel bessere Möglichkeiten, als konservative Formalismen zu bedienen?

Rilke (1875-1926), gehasst und geliebt, bleibt aktuell mit ‚Traumgekrönt‘ und ‚ohne Gegenwart‘ oder ‚Frauen wie Gärten‘. Bittersüß lakonisch hinterfragt er unser Rätselleben, welches heim- und unheimlich ein Zwischenland erklärt.

In diesem Sinne wünsche ich dem nun ehemaligen Bundespräsidentenpaar, dass der Tag an dem sie fremd vorübergingen, sich im Künftigen zum Geschenk erschließt … ( Rilke, Weltinnenraum)

… so ertragen es viele, zu viele Bürger in Deutschland: Minijobs, schlechte Bezahlung, keine Zeit für die Kinder, keine Zeit für die Alten, Verschleiss, Krankheit, Druck …

Leben sieht anders aus und definiert sich nicht über Hundefutter-Kreationen durch Polit-Gattinnen in Drogerieketten oder Glamour-Gedöns einiger fehlkreativen Mode-Labels!

Das ginge schon auch anders ….

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