Mülltrennung in Mexico

30. März 2012 § 8 Kommentare

Kein wirklich appetitliches Thema, aber unglaublich faszinierend – jedenfalls hier in Mexico Stadt. Jeden Tag, auch sonntags, staune ich. Diese Müllabfuhrwagen sehen für unsere Augen fürchterlich unappetitlich aus, sind aber ob der Ordnung, die sich darauf befindet im Grunde genommen vorbildlich. In den Häusern hier findet man Mülltonnen nur mit der Beschriftung ‚organico‘ und ‚inorganico‘. Auf dem Müllabfuhrwagen werden dann alle Müllbeutel geöffnet und sortiert und zwar so, wie man in Deutschland gerne politisch träumt. Ich habe auch festgestellt, dass viele Menschen hier akribisch darauf achten, dass sie für den normalen Haushaltsmüll ‚Organic-Tüten‘ verwenden.

Der Job, den diese Müllwerker hier ausführen ist unglaublich hart, sie werden aber offensichtlich auch gut für die hohen Risiken bezahlt, wie man mir sagte? Seit einigen Wochen gibt es sogar Gutscheine für Gemüse, wenn man Organic-Müll in die Müllverwertungsanlagen bringt.

Wenn ich das dem System in Deutschland gegenüberstelle, dann ist außer der furchtbaren Arbeit, die diese Männer machen, das System umweltfreundlicher, denn das Recycling ist konsequenter. In Berlin z.B. stellen sie x bunte Tonnen in den Hof, aber es interessiert keinen wirklich, wo er welchen Müll hineinwirft. Die Müllabfuhr kommt dort nur einmal in der Woche und an dem Tag, kann man den Dreck vom Stellplatz bis zur Strasse verfolgen. Die Hausmeister dort tun mir oftmals richtig leid. So etwas habe ich hier noch nirgends gesehen.

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§ 8 Antworten auf Mülltrennung in Mexico

  • Vallartina sagt:

    Ich plaudere hier mal aus dem Nähkästchen:
    Nicht erst seit gestern schwadronieren Lokalpolitiker in unser Bucht um und über die Mülltrennung. Wann immer unsereiner die neuesten politischen Diskurse in der Tageszeitung liest, fragen wir uns warum DIE sich über ein Thema unterhalten, das noch NIE stattgefunden hat!
    Unsere Verwunderung hat natürlich Hand und Fuss, sehen wir doch regelmässig, dreimal die Woche, den Mülltransporter durch unsere Strassen fahren, der alles was nach Müll aussieht, mitnimmt. Aber wir sehen dreimal wöchentlich auch, dass max. zwei Jungs die Müllsäcke auf den Laster hochwerfen, auf demselben jedoch 3 bis 6 Jungs sitzen, die Säcke aufschlitzen, nach Verwertbarem durchsuchen.
    Gratis. Zum Eigenerwerb, zum Zwecke des Geldverdienens. Und manche stossen auf Kupfer… manche auf Kunststoffe aller Art, manche auf Blech und machen Kunstwerke daraus…
    Was heisst das? recycling as it should be!

    • ankeberlin sagt:

      Auf unsere europäischen Augen wirkt das irgendwie fremd. Wir sind gewohnt, dass ‚Arbeit‘ nach Außen hin ’sauber‘ aussieht, weil wir das in Verbindung mit menschenwürdiger Arbeit bringen.

      In Deutschland werden die gelben Säcke in riesengrossen Hallen auf Fliessbänder geschüttet und der Minijobber darf dann den Dreck auseinander sortieren. Der Übervater des Dosenpfandes schreitet, inzwischen saturiert im schnieken Anzug, durch die Weiten des Berliner Regierungsviertels und hält sich für großartig.

  • erinnye sagt:

    Da ist man in Mexico ja sogar weiter als in Köln. Dort gibt es nämlich gar keine Trennung zwischen Bio- und Restmüll, dem Vernehmen nach deshalb, weil irgendwann mal eine riesige, komplett überdimensionierte Müllverbrennungsanlage gebaut wurde, die schließlich ausgelastet werden muss…

    • ankeberlin sagt:

      Zur Verantwortung gezogen werden die Entscheider eines solchen politischen Vollquarks nie!? Es ist ja auch schon lange bekannt, dass man Altpapier zubaggern muss, damit der Mist überhaupt brennt.

  • Wir stimmen Dir völlig zu, liebe Anke.
    Das Foto gefällt uns als Bild außerdem einfach sehr gut!

  • ankeberlin sagt:

    Freut mich, dass Euch das Foto gefällt! Mir gefällt der Anblick inzwischen täglich … 😉

  • Chris sagt:

    ich glaube wir müssen in DE oftmals den Müll schon garnicht mehr Trennen da unsere Müllverbrennung/ Müllverarbeitungsanlagen schon so modern sind dass es wurscht is.
    Ich kann allerdings hier in Nürnberg nur sehr gut über unsere Müllwirtschaft reden. Bio, Papier, Restmülltonnen und Gelbe Säcke. Es wird alles in regelmäßigen Abständen abgeholt, niergends in der Stadt schauts aus wie bei Hempels. Ich kenn diverse Stadtteile von Nürnberg und ich musste bisher niergends feststellen dass der Müll kreuz und quer gemischt wurde.
    Von dem weiterbehandlung des Mülls kann ich nur sagen dass wir hier eine der modernsten Müllverbrennungsanlagen haben, welche mit dem Kraftwerk (Fernwärem und Strom) der N-Ergie gekoppelt ist. Der Biomüll wird zu Humus verarbeitet. Papier, versteht sich glaub ich und der Gelbe Sack wird klar recycelt.
    Und wenn mal organischer und restmüll zusammen in die Tonne geschmissen wird… wo ist das Staatsdrama??? Es wird in den meisten fällen verbrannt, ansonsten verrottet es auf der Deponie und wird zu Erde.
    Das es in anderen großen Städten Deutschlands nicht klappt könnte an der mangelnden Erziehung in dem Hinblick liegen oder einfach an einer Großstädtischen Ignoranz liegen.
    Uns geht es in sachen Müllwirtschaft sehr gut. Mexico ist dagegen nicht zu beneiden. Auch wenn anderen anhand des Bildes anderst darüber denken mögen.

    • ankeberlin sagt:

      Sehr verehrter ‚braver Engel‘, vielen Dank für diesen Kommentar! Ist es doch immer wieder interessant unterschiedliche Sichtweisen kennen zu lernen. Ganz klar werde ich bei meinem nächsten Aufenthalt in Nürnberg einen Blick darauf werfen. Waren sie schon mal in Mexico?

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