Bonsoir!

15. Mai 2012 § 5 Kommentare

Die deutsche Bundeskanzlerin trägt ihre ‚Einfachheit‘ gerne vor sich her, wie andere Leute ein Silbertablett. Keine High-Heels, keine Brillanten, keinen Ozelot am Kragen. Sozialistisch bescheiden, einfach und wenig anspruchsvoll. Die sich aufopfernde ‚Mutti‘ für alle Geplagten … die ‚Unangreifbare‘, die ‚Übermutter‘ europäischer Politik? Sogar der neu gewählte französische Staatspräsident sprintet, kaum dass er alle Insignien erhalten hat, nach Berlin um hier seine Aufwartung zu machen? Warum? Hätte das nicht noch ein bisschen Zeit gehabt? Ist Frau Merkel wirklich so wichtig für Europa oder wird sie durch solche Aktionen nur wichtig gemacht?

Ich bin noch nicht ganz einen Tag wieder in Berlin, radle heute meinen gewohnten Weg und bremse weit vor der roten Ampel mein Fahrrad, weil da was steht, was ich nicht verstehe

ein Schild, welches auf das Kanzleramt hinweist. An einer Stelle, die ich auch nicht verstehe, nämlich versteckt am Rande, der Schweizer Botschaft die Stirn bietend? Ein nobles Teil, Glas und Edelstahl, glänzend pflegeintensiv, im fast Verborgenen. Die Schweizer wissen jetzt auch endlich, wo das Kanzleramt in Berlin steht! Da muss ja mächtig was übrig sein in der Kasse des Kanzleramtes, dass man für solchen Schnickschnack noch Geld hat. Wie viele Kita-Plätze man dafür wohl finanzieren könnte?

Sowenig sich die Kanzlerin selbst schmückt, so gerne schmückt sie mehr und mehr ihre Macht. Heute wurden, mal wieder die roten Kordeln gespannt und der Vorgarten geputzt. Bonsoir, ‚Monsieur le president‘! Lassen Sie sich nicht blenden. Wenige Meter um’s Eck liegen Menschen im Dreck, man ‚räumt‘ sie auch ganz gern weg, wenn Staatsbesuch angesagt ist …

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§ 5 Antworten auf Bonsoir!

  • Vallartina sagt:

    Man sollte Frau Merkel vielleicht nicht nur rein DEUTSCH betrachten! Sie hat international betrachtet durchaus einen sehr reputablen Stand!

  • ankeberlin sagt:

    Frau Merkel bedient ganz geschickt entsprechende Zielgruppen und reist in einer Art Seifenblase durch die Welt – abgehoben und fern der Realität. Deutschland sollte Teil von Europa sein, wird aber durch diese merkwürdige Politik zunehmend isoliert.

    International lässt man sich gerne blenden, die Erkenntnis kommt meist zu spät, auf jeden Fall aber zu spät für die Menschen in Europa.

  • erinnye sagt:

    Liebe Anke, ich finde das Schild auch merkwürdig, aber es ist vielleicht einfach so, dass man in der Hauptstadt mehr Geld für Schnickschnack ausgibt, ob berechtigt oder nicht. Immer, wenn ich nach Berlin kam und komme, fällt mir auf, dass die zentralen Teile wie geleckt sind, im Vergleich zu anderen Großstädten (München ausgenommen). Ich bin mit der Merkel-Politik auch nicht einverstanden, aber ich finde es eigentlich gut, wenn – in vernünftigem Rahmen – das Stadtbild ansprechend ist 😉 Dass es natürlich in Neukölln etc.anders aussieht, ist mir auch klar (hab da mal gewohnt).

  • ankeberlin sagt:

    Liebe Erinnye, als ich diesen Artikel schrieb, hatte ich gerade einen Aufenthalt in Bayern und Österreich hinter mir. War mental mitgenommen von der Betreuungsgeld-Debatte, fühlte mich erinnert an meine 2 Dekaden Leben in BaWü und den Verlust an Lebensqualität durch den Wechsel nach Berlin. Am Rande des Regierungsviertels zu leben ist anstrengend, weil einem täglich das Desaster deutscher Politik ins Auge springt.

    Im Regierungsviertel gibt es soviel Geld für Unsinniges und Überflüssiges, dass man seinen Augen manchmal nicht traut, und kurz daneben viel Dreck und soziales Leid. Nirgendwo in Deutschland habe ich diesen Kontrast so drastisch erlebt wie hier. Biografische Mobilität kann vorteilhaft sein, aber auch mental erschütternd.

    • erinnye sagt:

      Ja, Anke, ich gebe Dir schon recht, die Gegensätze sind erschütternd und ja, wenn man in entsprechenden Vierteln wohnt, fallen sie noch mehr ins Auge, als wenn man als Tourist nach Berlin kommt. Und ja: Ein solches Schild ist vollkommen überflüssig, wenn man mal darüber nachdenkt, gibt es aber sooo viel Überflüssiges, Geld das irgendwohin gepumpt wird, das man andernorts besser gebrauchen könnte, ich nenne mal nur einen Punkt: Krankenkassen, Rentner und Krankenkassen: Niemand, nein NIEMAND hat ja so viel Zeit wie die Oldies, sich um ihre Krankheiten zu kümmern, da wird noch die letzte Krampfader auf Kosten der Solidargemeinschaft aufwendigst verödet, aber andren ECHTEN Kranken werden notwendige Leistungen vorenthalten.(Äh, ja, ich höre manchmal im DLF die Sendung „Sprechstunde“, dabei kann man ins Grübeln kommen)

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