Erinnerung und Geschichtsbewusstsein

26. Juli 2012 § Hinterlasse einen Kommentar

Am vergangenen Sonntag kamen wir zufällig am Guggenheim Lab auf dem Pfefferberg vorbei, und konnten teilhaben an einer äußerst interessanten Diskussionsrunde. Was passiert mit dem Symbol des Kalten Krieges, dem Checkpoint Charlie?

Es diskutierten K.D. Henke, Geschichtsprofessor; Markus Meckel, letzter DDR-Außenminister; Ernst Elitz, Journalist und Mitglied im Beirat Stiftung Zukunft Berlin; Michael Cullen, US Historiker; Kai Wegener, CDU Berlin und MdB; Rainer Wagner, Union der Opferverbände kommunistischer Gewaltherrschaft und die Stadtsoziologin Sybille Frank.

Man war sich zwar einig darüber, dass das Geschehen und auch der Ort eine Würdigung erhalten sollte, wo man aber eine Erinnerungsstätte oder ein Museum dafür gestalten könnte, darüber gab es doch stark kontroverse Meinungen. Leider wurde dies in der Presse überhaupt nicht herausgestellt. Als Zuschauer vor Ort hatte ich nicht das Gefühl, das man Einigkeit suchte. Im Gegenteil, mir fiel auf wie unterschiedlich die Betrachtung dieser Situation ist.

Spannend auch das Plädoyer von Leslie Colitt, der sich zu Wort meldete. Er war als junger Mann Korrespondent der Financial Times in Berlin, für ihn war der Checkpoint Charlie das einzige Tor in den Osten der Stadt, viele Erinnerungen knüpfen sich daran, auch an die Flucht seiner Frau. Er schrieb ein Buch mit dem Titel ‚Berlin And Beyond‘ (leider nur in englisch verfügbar). Spontan erinnerte sein Auftritt mich an Stephane Roussel (franz. Korrespondentin in Berlin), deren Buch ‚Die Hügel von Berlin‘ mich nachhaltig beeindruckt. Leider wird dieses Buch nicht mehr aufgelegt, es ist nur im Antiquariat erhältlich.

Westeuropäisch sozialisiert wünsche ich mir Neuauflagen und Übersetzungen solcher Bücher, sonst geraten authentische Berichte in Vergessenheit. Nicht jeder ist damit zufrieden, sich am Checkpoint Charlie eine russische Fellmütze zu kaufen oder sich in der Eisdiele ‚Kalter Krieg‘ zu laben. Und was die Erinnerungsstätte betrifft, so gehe ich ganz konform mit dem Anspruch von Ernst Elitz, dass dieser Ort ein ‚Ort der Magie‘ für uns Nachgeborene ist – dort sollte entstehen, was Erinnerungen stützt, sie wachruft, ergänzt und dokumentiert. Der stillgelegte Flughafen Tempelhof liegt gedanklich viel zu weit abseits des Geschehens.

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