Stadtflucht Teil I

12. August 2012 § Hinterlasse einen Kommentar

So ein Wochenende gibt es selten genug in Berlin. Schönes Wetter, angenehme Temperaturen, kein Regen in Sicht. Wir nutzten die Zeit um der Stadt zu entfliehen. Die Klappräder ins Auto um endlich mal Neuruppin zu besichtigen. Das Fontanehaus und all die wunderbar renovierten Altbauten – ein bisschen norddeutsches ‚Faller-Land‘ 😉 Wunderschön auch die Promenade am See, bis auf den hässlichen Klotz in dem das Thermalbad untergebracht ist. ‚Resort‘ nennt sich das und irgendwie liegen alle Wellness-Bedürftigen dort herum wie in einer Werbebroschüre. Jedem das Seine … Wir haben die Altstadt-Atmosphäre genossen, in der Klosterkirche St. Trinitatis Chagall-Farblithographien angesehen

und den Tempelgarten besichtigt

Friedrich der Große hatte während seiner Prinzen-Erziehung genau 7 Minuten Zeit, um sein Frühstück ein zu nehmen!? Soviel zu preussischer Askese – gesund war das sicher nicht …

Ganz idyllisch Kaffee und Kuchen genießen, kann man im Kunsthof und der Weinladen schräg gegenüber auf der anderen Strassenseite ist auch ein kleiner Ort des Labsals, was leckeres Essen betrifft 🙂 Die Weinseligkeiten und regionalen Schnaps-ereien haben wir nur besichtigt …

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Größenwahn kleinkariert

9. August 2012 § 7 Kommentare

Über die Ödnis im Regierungsviertel berichtete ich bereits. Berlin macht weiter, ein kleinkarierter Kasten nach dem anderen wird gebaut, dabei gilt das Motto ‚Teuer muss es sein!‘ Sinn und Zweck scheinen nicht so wichtig zu sein?

Vor die schönen alten Gebäude der Charité wurde bereits das neue Bettenhaus gebaut und davor entsteht gerade der Neubau des Bundesministeriums für Bildung und Forschung. Keine 400 Mitarbeiter hat der Dienstsitz in Berlin, dafür aber überdimensional viel Platz. Kritik hagelte es bereits Anfang des Jahres, wie die Berliner Morgenpost berichtete. Aber in Berlin werden Millionen abgenickt, egal was kommt. Hier sollen es 115 Millionen Euro sein, bin gespannt was am Ende wirklich dabei herauskommt.

Ein paar Meter weiter dirigieren die Kräne den Anbau des ‚Elisabeth Lüders Haus‘, damit das ‚Band des Bundes‘ endlich fertig wird. 44 ooo qm für 190 Millionen Euro.

Und hier auf der anderen Seite des Kanzleramtes entsteht für inzwischen über 200 Millionen Euro das Bundesinnenministerium. Die Schlösser der Politiker haben eines gemeinsam: eine langweilige kleinkarierte Architektur und einen Schlund zum Geld verschlingen. Das Restaurant Paris-Moskau haben sie stehen lassen, hier ist der derzeitige Finanzminister Stammgast und hat gleichzeitig einen Rundblick auf seine Millionenbabys.

Aber das ist nicht alles, was der Steuerzahler in Berlin für die Politiker stemmt. Hier eine kleine Übersicht .

10. Open Air Gallery – Berlin Oberbaumbrücke

7. August 2012 § Hinterlasse einen Kommentar

Marie Auguste lebte bis 1901 in Berlin am Schlesischen Tor

Eigentlich war dieses Bild vorverurteilt, indem es nie veröffentlicht werden sollte. Eine Malerei am Rande der Atelier-Arbeit, eine ganz persönliche Auseinandersetzung zwischen mir und Berlin. Ich lebe seit 3 Jahren in dieser Stadt und versuche seit 3 Jahren, sie zu verstehen. Es gelingt mir nicht wirklich! Marie Auguste war meine Urgroßmutter – und hier beginnt, die für mich spannende Geschichte.

Marie Auguste wurde in der Niederlausitz geboren, in Zschornegosda. Das kennt kein Mensch (denkt man) und hört sich unglaublich ausländisch an. Es ist ein Teil der heutigen Stadt Schwarzheide. Ihr Vater war Lehrer und verstarb früh in Möbiskruge (heute Neuzelle). Sie war 13 Jahre alt und zog mit der Mutter zum Bruder nach Berlin. Eine Rente für Hinterbliebene gab es damals noch nicht. Ihr Bruder war Rektor an der Gemeindeschule am Schlesischen Tor (heute Kita) und somit war das ihr Wohnsitz bis zur Verheiratung 1884. Wer weiß, vielleicht spielte sie eine Rolle in Fontanes ‚Jenny Treibel‘ ? 😉 Ich habe diese Lektüre jedenfalls aufmerksam genossen 🙂

Am Schlesischen Tor haben sich meine Ahnen getroffen, ohne diese Kombination gäbe es mich nicht so wie ich bin, das ist spannend und zieht mich magisch an … deshalb habe ich mich auch sehr gefreut, dass ich an der 10. Open Air Gallery auf der Oberbaumbrücke teilnehmen durfte. Hier lebte nicht nur Marie Auguste, sondern auch ihre ganze Familie, im Haus gegenüber – da, wo man heute Pizza usw. kauft. Korrespondenz mit voller Adresse, hat zwei Weltkriege überstanden … unglaublich, wenn ich mit diesem Wissen durch die Strassen dort streife. Ihre Familie war erst nach dem 2. Weltkrieg für uns verloren, durch einen Umzug nach Friedrichshain – niemand weiß wohin …

Unglaublich, wenn ich Gentrifizierungs-Diskussionen lese. Unglaublich für mich selbst, wenn ich mich mal wieder als zugezogene Bayrische aus dem Schwabenland wiederfinde … 😉

Natürlich hatte ich dieses Bild mit auf der Brücke – meine Hommage an meine Urgroßmutter! Aber ich hatte nicht wirklich erwartet, so oft darauf angesprochen zu werden. Zeigt es doch auch mein ganz eigenes Chaos im Verständnis dieser Stadt. Diese Stadt ist spannend, aufregend und hyperaktiv, aber auch langweilig und kleinkariert – und sie war es offensichtlich auch schon zu Zeiten der ‚Trockenwohner‘, denn so oft wie dieser Teil meiner Familienahnen umgezogen ist, im Gräfekiez könnte sich das heute kaum einer leisten.

Marie Auguste hat mir viel erklärt in Berlin, obwohl ich sie nie persönlich kennenlernte. Meine alpenländische Sozialisation gibt mir die Möglichkeit differenziert auf Berlin zu blicken – es bleibt spannend! Aber auch meine Zeit in Berlin ist begrenzt und somit war es wirklich schön, an diesem Event teilzunehmen. Wir hatten alles auf der Brücke: Sonne, Regen, Wind und wieder Sonne und bei allem viel Spass!  Vielen Dank an die Veranstalter, es war alles wirklich toll organisiert! Vielen Dank auch an alle aktiven ‚Neuberliner‘ die geholfen haben, aus Hamburg, Mexico, Kroatien und Westdeutschland. Vielen Dank an alle ‚Motivationstrainer‘ aus dem Alpenland, Mexico, Hessen, Niedersachsen, Schleswig-Holstein und London. Ich war zwar platt wie eine Flunder nach so einem Tag, weil gar nicht mehr gewohnt – aber es hat sich gelohnt! 🙂

Die Werte der anderen

4. August 2012 § 4 Kommentare

Immer wieder aktuell

Die Stützen der Gesellschaft 1926 – im Besitz der Neuen Nationalgalerie Berlin

George Grosz – Gesellschaftliche Mißstände in der jungen Weimarer Republik wurden sein künstlerisches Thema; seine Gemälde und Zeichnungen voll satirischer Schärfe richteten sich gegen Ausbeutung, Spießertum, Bigotterie und Militarismus.

Über die ‚Werte der anderen‘ in der Gegenwart, liest man z.B. in der FAZ vom 2. August 2012: „Das System M“  Die Werte der anderen – welch genialer Ausdruck für das, was man oft nicht in Worte fassen kann, welch geniale Zusammenfassung neu deutscher Entfremdung, welch geniale Deutung gesellschaftlicher Zusammenhänge dieser so unerquicklichen Zeit?!

Sonne in Berlin

4. August 2012 § 2 Kommentare

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Guten Morgen Berlin

Berlin 3.0

21. Juli 2012 § 2 Kommentare

Bei längerem Aufenthalt in Berlin, wird jeder irgendwann ‚GaGa‘ … behaupte ich selbst ja schon seit Jahren. Nach drei Jahren Berlin (Danke für die vielen Ausflüge), machen sich auch bei mir leichte Verschleisserscheinungen bemerkbar 😉 Die Boom-Town bietet alle möglichen Attraktionen, dabei kann man die Skala vom tiefsten Negativ ins höchste Positiv bemühen. Ohne Frage eine interessante, eine lebendige und überraschende Stadt! Leider aber auch darin immer etwas langweilig … 😉

Schwierig erscheint mir dieser so kompromisslos betriebene Wiederaufbau, der sich an nur einer einzig nachvollziehbaren Zeit orientiert: Dem sog. Kaiserreich und der Zeit danach? Die goldenen Zwanziger, die Weimarer Republik … hoffentlich nicht weiter …! Das Ausschweifende, die Verruchtheit, die vermeintlichen Freiheiten, die Glamour und Glitzern möglich machte, auch dann noch als die ersten Fackeln brannten. Haben wir nichts gelernt durch die Geschichte?

Ernst Ludwig Kirchner hat in phantastischen Bildern, die sog. Witwen vom Potsdamer Platz in Szene gesetzt; die Prostituierten die sich als Witwen tarnten um polizeilicher Repression zu entgehen. Mit dem 1. Weltkrieg wurde aus der Tarnung Realität, aus Witwen wurden Prostituierte …

Habe viel Besuch aus Westdeutschland gehabt in letzter Zeit und festgestellt, dass die Informationslage dort nicht wirklich realitätsnah ist. Das macht nachdenklich, vor allem dann wenn man weiß, dass in Westdeutschland die Familie immer noch einen ganz anderen Stellenwert hat, als hier. Aber nicht nur dort staunt man über hiesige Verhältnisse, auch in international vorhandenen Familien- und Freundesbeziehungen staunt man über  das, was hier abgeht?

Ich bin also auch schon ein bisschen ‚Gaga‘ und habe meine Impressionen vom Potsdamer Platz im Bild festgehalten, dabei gibt’s keinen Friedhof mehr an der Stelle wo er einst war, keinen Markt und auch sonst keine Attraktionen, … auch die berühmten Witwen gibt es ‚Gott sei Dank‘ nicht mehr, aber die Kleidung und das Outfit … so ist Berlin.

Was gibt man einer Stadt, die Höchstleistungen verlangt aber weniger als ein Mittelmaß bietet?

Ohne Titel

15. Juli 2012 § 2 Kommentare

Mein Beitrag zur aktuell stattfindenden Politik und Krise

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