The Overcoat of Dr. Freud

28. Februar 2012 § 8 Kommentare

Acapulco, Mexico

Zwei Tage idyllischer Traum am pazifischen Strand. Hier geniesse ich jede Minute, bei Anwesenheit, vergesse nicht was ich sah bei der An- und Abreise. Neben dem köstlichen Essen, welches hier allerdings nicht durch livrierte Diener serviert wird, genieße ich das Hotelzimmer ohne (!) TV, ohne Klimaanlage … und die Hängematte!

In meinem städtischen Domizil liegen ‚Die fünf Sonnen Mexicos‘ und werden auch gelesen. Für den Ausflug ans Meer, entschied ich mich aber für eines der Geburtstagsgeschenke: ‚Die Stadt der Engel – The Overcoat of Dr. Freud‚ von Christa Wolf, die vor kurzer Zeit verstarb. Es ist mein erstes ‚Christa-Wolf-Buch‘!

Stadt der Engel

Warum nicht am pazifischen Strand das Buch einer Frau lesen, die darin ihre Erinnerungen und Erlebnisse verarbeitet, die ebenfalls an einem pazifischen Strand entstanden sind?

Das Buch fesselte mich von der ersten Seite an, denn auch ich erinnerte mich spontan an meine Aufenthalte an der US-Westküste und Berlin, in den ersten Jahren der Neunziger. Ich bin erst auf Seite 96 und doch regt sich jede Menge Verwunderung in mir. Das ‚leichte‘ Leben in der westdeutschen BRD? Was war das? Und wie leicht waren die Jahre nach der ‚Wende‘ der ‚Revolution‘ …? Hab‘ ich was verpasst? Ich lebte doch immer in der BRD …

Anfang der 90iger Jahre die Freunde in den USA besuchen, gehörte zu einem außerordentlichen Event, für den wir lange gespart haben. Wir waren mindestens so beeindruckt wie Frau Wolf, von dieser ’so anderen Welt‘, nur dass uns kein Literaturclub finanziert hat.

Damit kein Missverständnis entsteht: nach 96 Seiten bin ich nicht sofort gegen diese eindrucksvolle Schriftstellerin eingestellt, ich bewundere sie sogar für den Mut, schon früh geäußert zu haben, dass allein mit Wirtschaftswachstum nichts gelöst werden kann, was den Menschen Frieden, Freiheit und Zufriedenheit geben kann. Dennoch entsteht gerade eine gedankliche Verwirrung bei mir darüber, wie wir ‚Westmenschen‘ (so lässt sie einen Protagonisten sprechen) regelrecht bewertet werden.

Ich lese weiter!

Verbeeindruckt

6. Dezember 2011 § 4 Kommentare

… oder in klassischem Deutsch ausgedrückt ‚getäuscht‘ fühlt man sich, wenn man dick verpackt, wie ein Eskimo am Schloss Bellevue vorbeiradelt, wie ich heute. Der für Berlin typische eisige Wind hat den Winter eingeläutet und ich war schon beeindruckt, dass der für ‚Grün‘ radelnde Bundestagsabgeordnete ohne Mütze an mir vorbei pfiff, als wär das alles garnix. Die fünf bis sechs Busse der bundesdeutsch soldatischen Kapelle hatte ich natürlich schon gesehen – unübersehbar, wenn sie sich am Spreeufer plazieren! Nachdem ich nicht erfolgreich war, bei der Passage des Spreeuferweges in Richtung Hansa-Viertel (gesperrt und bewacht), war aber das militärische Whoomtatta auch auf meinem diktierten Umweg nicht zu überhören. Nanu? War beim Bundespräsidenten nicht der chinesische Aussenminister angesagt? Da hing die afghanische Flagge im Garten, hinter der hohen Mauer – da wo schon der Papst militärisch musikalisch bespielt wurde – in aller Öffentlichkeit, wie medial berichtet wurde.  Naja egal, vielleicht haben sie heute Fahnen, Musik und Staatsober- und unterhäupter irgendwie durcheinander gebracht? Ich muss das ja auch nicht wissen, ich bin ja nur Volk … und Steuerzahler 😉

Karl Kraus & Sidonie Nadherny in Vrchotovy Janovice

Hier hat Karl Kraus „Die letzten Tage der Menschheit“ vollendet, mit Unterstützung von Sidonie Nádherny. Dabei hat sie ihm nicht nur die Suppe gekocht bzw. kochen lassen …

Schön, dass man in heutigen Tagen auch noch optimistische Stimmen hört, in den ansonsten vollkommen im Pessimisus verranten Medien. Trend- und Zukunftsforscher Matthias Horx bietet dem medialen ‚Downgrow‘ die Stirn (Deutschlandfunk) – und das finde ich ziemlich gut! Danke! Das war nicht erwartbar, trotz Leben in der Mitte zwischen Sidonie und Karl … 😉 Ich grüße das Waldviertel! 🙂

Koffer packen

5. November 2011 § Hinterlasse einen Kommentar

… steht noch nicht an. Aber ich lese schon mal deutsche Nachrichten, damit ich mich auf die Flugrouten über dem Berliner Domizil einstellen kann. Herzlich gelacht habe ich heute über die Kolumne von Elena Senft im Tagesspiegel „Als ich zum Postamt wurde“, denn auch dieser unbezahlte Job erwartet mich wieder. Deutschland scheint ausschließlich mit Griechenland beschäftigt zu sein, während Berlin sich dem Alkohol, den Hunden und dem Dauerbrenner Bildung widmet. Die peinlichste Nachricht von heute ist ja wohl die Eröffnung des angeblich größten Hofbräuhauses am Alex und in Dortmund hat eine Putzfrau die 800 000 Euro – Installation von Martin Kippenberger einfach weggewischt.

Im Finanzministerium hat man sich mal eben kurz um über 55 Milliarden verrechnet bzw. verbucht und ein ehemaliger Finanzminister klagt eine Pension von ca. 14000 Euro ein – kann man sich das mit ehrlicher Arbeit verdienen?

Die Winterreifen sind montiert, ich kann also zurückkehren. Aber vorher gehe ich noch in das kleine Lokal, ein paar Strassen weiter, in dem es hervorragende Rancheros gibt. Junge Leute haben es neulich eröffnet und braten, wahrscheinlich ganz ohne Diplom und Doktortitel, hervorragende Spiegeleier. Ob sie die Salsa selbst machen, oder ob Oma oder Mama dabei behilflich sind, weiß ich nicht, auf jeden Fall ist es ein geniales Rezept und schmeckt nach Tradition, Erfahrung und Ehrlichkeit. Die Zutaten werden im Markt um die Ecke eingekauft und nicht in irgendeinem Convenience-Labor bestellt.

Ortstermin

25. September 2011 § Hinterlasse einen Kommentar


Ortstermin – Offene Ateliers im Moabiter Westen an einem wunderschönen Septemberwochenende mit viel Sonne, Wärme und lauen Lüftchen. Staatsbesuch, Papstbesuch und Marathon, ganz einfach mal sich selbst überlassen, und sich treiben lassen, je nach Gusto – Das! konnte man an diesem Wochenende in Moabit. Selbst kleinere Zwischenfälle, wie der kurzfristige Verlust meines Drahtesels, verbreitete keine negative Stimmung. In den verborgensten Winkeln gab es professionale Malerei zu entdecken, erstklassige Konzeptkunst, Literatur an historisch nicht erkannten Baudenkmälern, gute Stimmung in verschiedenen Lokalitäten. Endlich weiß ich auch, wo man ganz entspannt Vinyl-Schallplatten erstehen kann, Lorbeer-Eiscreme in bester Qualität genießt und mexikanische Schmankerln vom Feinsten verspeisen kann. Das Demo-Pferd durfte leider nicht ins Regierungsviertel, um  auf Klassenunterschiede innerhalb der vorgeblich gleichgestellten Künstlercommunity aufmerksam zu machen.

Konfusion

15. Juli 2011 § 2 Kommentare

Vielleicht beschert uns der ‚Wettergott‘ den Herbst im Juli, damit wir uns mal näher mit den politischen Zuständen beschäftigen? Wenn man so quer durch Europa blickt und von dort aus in die Welt, kommt man aus dem Kopfschütteln nicht mehr heraus. Dazu kommt, dass hier in Berlin, im September, Wahlen anstehen. Noch nie ist mir die Orientierung diesbezüglich so schwer gefallen, wie hier. Neben der aufgedunsenen bundespolitischen Seifenblase stolpern alle Parteien konfus durch die Gegend, so kommt es mir vor. Keine Partei erkennt wirklich anstehende lokalpolitische Probleme, es geht nur um Posten und Pöstchen, so mein Eindruck. Die Bundespolitik, die sich wie ein Fremdkörper mitten in der Stadt breit macht, erstickt sämtliche Ansätze im Keim.

Die Armut liegt vor den Toren der Regierungsgebäude und wird von den Kommunal- und Landespolitikern mit Party-Geschwätz weggeschwafelt.

Die Grünen sind eine herbe Enttäuschung hier in Berlin; mir drängt sich das Gefühl auf, das man zwar eigentlich gerne ’natürlich‘ wäre, aber gar keine Ahnung davon hat. Es ist totaler Schwachsinn, darüber nachzudenken, aus Berlin eine Fahrradstadt zu machen, während sich die 30-Tonner quer durch die Stadt wälzen. In Stuttgart hatten diese Monster-Vehikel schon seit Jahren Durchfahrtverbot in der Innenstadt – und funktioniert hat es ganz gut.

Die SPD verkraftet ihr Desaster um Ex-Kanzler Schröder nicht und versucht genauso wie die CDU, Wähler mit Kaffee-Kränzchen und Ehrenamtslobhudelei zu ködern: ein Auslaufmodell!

Die FDP wirkt planlos und

die LINKE wirkt orientierungslos

und der Rest? Muss ich darüber nachdenken? Ich denke NEIN!

Die Menschen hier machen sich zunehmend Sorgen um ihre Zukunft, während die Politiker schamlos in ihren Luftschlössern leben. Eine Berlin-Wahl hat keine wirkliche Chance, sie wird zu sehr beeindruckt von bundespolitischer Konfusion. Bleibt zu hoffen, das gutes Wetter und gute Parties die Berlin-Politiker mal wieder in die Nebenrolle drängen, in der sie sich sowieso schon befinden …

Und solange wir einen Moritz Rinke in der Stadt haben, der im Tagesspiegel seine Satire zum Besten gibt, muss man sich nicht wirklich aktuell Sorgen um die Berliner machen … 😉  Danke für den aktuellen Beitrag von heute! 🙂

Scrabble

15. Mai 2011 § 4 Kommentare

Dieses Wochenende präsentiert mal wieder ein nettes Nachrichtenkaleidoskop. Die 22jährige Antonia Kerr debütiert mit einem Erotikroman, in dem der alternde Protagonist seine junge Freundin mit Scrabble bespielt, damit sie ihn in Ruhe lässt. Die SPD plant den nächsten Basta-Kanzler mit Peer Steinbrück, und dieser parliert medial, in gewohnt massiver Rhetorik, dass er beim Scrabble immer gegen seine Frau verliert …

… derweil ‚ver’räkelt sich Lena beim Eurovision lasziv auf der Bühne und der IWF-Chef soll ein Zimmermädchen sexuell genötigt haben, nun sitzt er nicht im Flugzeug, sondern im Gefängnis in USA.

Bei unserem Antrittsbesuch eines neuen Erdenbürgers in Friedrichshain, erfuhren wir dass ein Krippenplatz erst im Jahr 2013 zu bekommen sei. Vor 30 Jahren war das in Westdeutschland ganz ähnlich! Fragt man sich, was die Damen und Herren Politiker eigentlich den lieben langen Tag lang tun, außer ihre Pöstchen, Diäten und Pensionen zu verteidigen?

Nach dem Eierhäuschen

23. April 2011 § Hinterlasse einen Kommentar

Karfreitagmorgen, die Radiodame verkündet: “ … Berlin, so wundervoll sonnig an diesem 1. Osterfeiertag …“ – so what? Hatte ich mich im Kalender vertan?

Spontan denke ich an Fontane und seine Melusine in Kapitel 14 des Romans ‚Der Stechlin‘:Da heißt es nun immer, … , Berlin sei so kirchenarm; aber wir werden bald Köln und Mainz aus dem Felde geschlagen haben …“  In der Tat wurden gegen Ende des 19. Jahrhunderts viele Kirchen in Berlin gebaut, die Botschaft vom Karfreitag scheint bis heute noch nicht so recht angekommen zu sein?

Das Wetter, in der Tat feiertäglich, lud uns zu einer größeren Fahrrad-Tour ein, auch dachten wir den Touristenmassen (über 2 Mio Besucher werden in diesem Jahr zu Ostern in Berlin erwartet) zu entkommen. Aber auch wenn genauso viele Berliner zu dieser Zeit die Stadt verlassen, bei diesem Wetter hält es kaum jemanden zuhause.

Fontanes Romangesellschaft fuhr mit Schiff ’nach dem Eierhäuschen‘ und „... der Baron ein Bayer (der) unter katholischen Anschauungen aufgewachsen war, ließ doch beständig Unterschiede hervortreten.Nach einem gemeinschaftlichen Spaziergang am Ufer lies man sich im Gartenlokal des Eierhäuschens nieder und verspeiste wahrscheinlich den beliebten Streuselkuchen.

Wir umrundeten dieses, ehemals so beliebte Ausflugsziel im Plänterwald, welches nun hinter hohen Sicherheitsgittern so langsam in sich zusammenfällt. Unser Weg dorthin führte durch den beliebten Treptower Park, in dem es scheinbar keinen Quadratmeter mehr gab, auf dem nicht gegrillt wurde. Es ist ein Jammer, daß das Gelände, inklusive dem ehemaligen Vergnügungspark, vor sich hin dämmert, nur weil Staat, Stadt und Land einem Betrüger aufgesessen sind. Von Kaffee und Kuchen, auf der wunderschönen Terrasse zur Spree hin gelegen, kann man nur träumen. Aber es gibt Hoffnung: seit gestern hat ein Stückchen weiter, am ehemaligen Haupteingang zum Vergnügungspark ein kleines Café aufgemacht und inmitten der Wracks, vergangener Vergnügungskultur bekommt man nicht nur Kaffee und Streuselkuchen, sondern auch Currywurst und Bulette. Vielleicht ist ein Anfang gelungen? Ich wünsche den Betreibern vom Café Mystica jedenfalls alles Gute.

Mit Pit-Stops in Kreuzkölln, an der Bergmannstrasse und im Zollpackhof haben wir es bei herrlichstem Wetter auch wieder ganz nachhause geschafft und der lädierte Fuss hat alles mitgemacht, ist also wieder sommertauglich 🙂

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