Größenwahn kleinkariert

9. August 2012 § 7 Kommentare

Über die Ödnis im Regierungsviertel berichtete ich bereits. Berlin macht weiter, ein kleinkarierter Kasten nach dem anderen wird gebaut, dabei gilt das Motto ‚Teuer muss es sein!‘ Sinn und Zweck scheinen nicht so wichtig zu sein?

Vor die schönen alten Gebäude der Charité wurde bereits das neue Bettenhaus gebaut und davor entsteht gerade der Neubau des Bundesministeriums für Bildung und Forschung. Keine 400 Mitarbeiter hat der Dienstsitz in Berlin, dafür aber überdimensional viel Platz. Kritik hagelte es bereits Anfang des Jahres, wie die Berliner Morgenpost berichtete. Aber in Berlin werden Millionen abgenickt, egal was kommt. Hier sollen es 115 Millionen Euro sein, bin gespannt was am Ende wirklich dabei herauskommt.

Ein paar Meter weiter dirigieren die Kräne den Anbau des ‚Elisabeth Lüders Haus‘, damit das ‚Band des Bundes‘ endlich fertig wird. 44 ooo qm für 190 Millionen Euro.

Und hier auf der anderen Seite des Kanzleramtes entsteht für inzwischen über 200 Millionen Euro das Bundesinnenministerium. Die Schlösser der Politiker haben eines gemeinsam: eine langweilige kleinkarierte Architektur und einen Schlund zum Geld verschlingen. Das Restaurant Paris-Moskau haben sie stehen lassen, hier ist der derzeitige Finanzminister Stammgast und hat gleichzeitig einen Rundblick auf seine Millionenbabys.

Aber das ist nicht alles, was der Steuerzahler in Berlin für die Politiker stemmt. Hier eine kleine Übersicht .

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Die Werte der anderen

4. August 2012 § 4 Kommentare

Immer wieder aktuell

Die Stützen der Gesellschaft 1926 – im Besitz der Neuen Nationalgalerie Berlin

George Grosz – Gesellschaftliche Mißstände in der jungen Weimarer Republik wurden sein künstlerisches Thema; seine Gemälde und Zeichnungen voll satirischer Schärfe richteten sich gegen Ausbeutung, Spießertum, Bigotterie und Militarismus.

Über die ‚Werte der anderen‘ in der Gegenwart, liest man z.B. in der FAZ vom 2. August 2012: „Das System M“  Die Werte der anderen – welch genialer Ausdruck für das, was man oft nicht in Worte fassen kann, welch geniale Zusammenfassung neu deutscher Entfremdung, welch geniale Deutung gesellschaftlicher Zusammenhänge dieser so unerquicklichen Zeit?!

Erinnerung und Geschichtsbewusstsein

26. Juli 2012 § Hinterlasse einen Kommentar

Am vergangenen Sonntag kamen wir zufällig am Guggenheim Lab auf dem Pfefferberg vorbei, und konnten teilhaben an einer äußerst interessanten Diskussionsrunde. Was passiert mit dem Symbol des Kalten Krieges, dem Checkpoint Charlie?

Es diskutierten K.D. Henke, Geschichtsprofessor; Markus Meckel, letzter DDR-Außenminister; Ernst Elitz, Journalist und Mitglied im Beirat Stiftung Zukunft Berlin; Michael Cullen, US Historiker; Kai Wegener, CDU Berlin und MdB; Rainer Wagner, Union der Opferverbände kommunistischer Gewaltherrschaft und die Stadtsoziologin Sybille Frank.

Man war sich zwar einig darüber, dass das Geschehen und auch der Ort eine Würdigung erhalten sollte, wo man aber eine Erinnerungsstätte oder ein Museum dafür gestalten könnte, darüber gab es doch stark kontroverse Meinungen. Leider wurde dies in der Presse überhaupt nicht herausgestellt. Als Zuschauer vor Ort hatte ich nicht das Gefühl, das man Einigkeit suchte. Im Gegenteil, mir fiel auf wie unterschiedlich die Betrachtung dieser Situation ist.

Spannend auch das Plädoyer von Leslie Colitt, der sich zu Wort meldete. Er war als junger Mann Korrespondent der Financial Times in Berlin, für ihn war der Checkpoint Charlie das einzige Tor in den Osten der Stadt, viele Erinnerungen knüpfen sich daran, auch an die Flucht seiner Frau. Er schrieb ein Buch mit dem Titel ‚Berlin And Beyond‘ (leider nur in englisch verfügbar). Spontan erinnerte sein Auftritt mich an Stephane Roussel (franz. Korrespondentin in Berlin), deren Buch ‚Die Hügel von Berlin‘ mich nachhaltig beeindruckt. Leider wird dieses Buch nicht mehr aufgelegt, es ist nur im Antiquariat erhältlich.

Westeuropäisch sozialisiert wünsche ich mir Neuauflagen und Übersetzungen solcher Bücher, sonst geraten authentische Berichte in Vergessenheit. Nicht jeder ist damit zufrieden, sich am Checkpoint Charlie eine russische Fellmütze zu kaufen oder sich in der Eisdiele ‚Kalter Krieg‘ zu laben. Und was die Erinnerungsstätte betrifft, so gehe ich ganz konform mit dem Anspruch von Ernst Elitz, dass dieser Ort ein ‚Ort der Magie‘ für uns Nachgeborene ist – dort sollte entstehen, was Erinnerungen stützt, sie wachruft, ergänzt und dokumentiert. Der stillgelegte Flughafen Tempelhof liegt gedanklich viel zu weit abseits des Geschehens.

Berlin 3.0

21. Juli 2012 § 2 Kommentare

Bei längerem Aufenthalt in Berlin, wird jeder irgendwann ‚GaGa‘ … behaupte ich selbst ja schon seit Jahren. Nach drei Jahren Berlin (Danke für die vielen Ausflüge), machen sich auch bei mir leichte Verschleisserscheinungen bemerkbar 😉 Die Boom-Town bietet alle möglichen Attraktionen, dabei kann man die Skala vom tiefsten Negativ ins höchste Positiv bemühen. Ohne Frage eine interessante, eine lebendige und überraschende Stadt! Leider aber auch darin immer etwas langweilig … 😉

Schwierig erscheint mir dieser so kompromisslos betriebene Wiederaufbau, der sich an nur einer einzig nachvollziehbaren Zeit orientiert: Dem sog. Kaiserreich und der Zeit danach? Die goldenen Zwanziger, die Weimarer Republik … hoffentlich nicht weiter …! Das Ausschweifende, die Verruchtheit, die vermeintlichen Freiheiten, die Glamour und Glitzern möglich machte, auch dann noch als die ersten Fackeln brannten. Haben wir nichts gelernt durch die Geschichte?

Ernst Ludwig Kirchner hat in phantastischen Bildern, die sog. Witwen vom Potsdamer Platz in Szene gesetzt; die Prostituierten die sich als Witwen tarnten um polizeilicher Repression zu entgehen. Mit dem 1. Weltkrieg wurde aus der Tarnung Realität, aus Witwen wurden Prostituierte …

Habe viel Besuch aus Westdeutschland gehabt in letzter Zeit und festgestellt, dass die Informationslage dort nicht wirklich realitätsnah ist. Das macht nachdenklich, vor allem dann wenn man weiß, dass in Westdeutschland die Familie immer noch einen ganz anderen Stellenwert hat, als hier. Aber nicht nur dort staunt man über hiesige Verhältnisse, auch in international vorhandenen Familien- und Freundesbeziehungen staunt man über  das, was hier abgeht?

Ich bin also auch schon ein bisschen ‚Gaga‘ und habe meine Impressionen vom Potsdamer Platz im Bild festgehalten, dabei gibt’s keinen Friedhof mehr an der Stelle wo er einst war, keinen Markt und auch sonst keine Attraktionen, … auch die berühmten Witwen gibt es ‚Gott sei Dank‘ nicht mehr, aber die Kleidung und das Outfit … so ist Berlin.

Was gibt man einer Stadt, die Höchstleistungen verlangt aber weniger als ein Mittelmaß bietet?

Ohne Titel

15. Juli 2012 § 2 Kommentare

Mein Beitrag zur aktuell stattfindenden Politik und Krise

Senioren als Hausbesetzer

7. Juli 2012 § 4 Kommentare

Jetzt wird’s heftig  könnte man meinen … ? Eine tolle Aktion! Diszipliniert veranstaltet ohne Dreck- und Schmuddel-Image! Ich bewundere diese Aktion – bis auf diesen feinen faden Beigeschmack, dass mal wieder an allem die sog. Wessis Schuld sind. Es gibt auch Wessis, die keinen Porsche fahren, die kein City-Haus in Pankow bezogen haben und auch sonst nicht im Füllhorn des Kapitalismus schwimmen – ich behaupte sogar, es gibt mehr davon als viele annehmen.

Was machen eigentlich die sog. Wessis mit ihren Senioren, von denen sie über berufliche Mobilität schon langjährig getrennt wurden – über große Distanzen?

Kaufen die sich von ALG II, um Hartz IV* nicht zu nennen, die Jahres-Bahn-Card für unerschwingliche Euronen? Okay, es gibt ja noch das Radl, die Mitfahrgelegenheit und das Querdurchslandticket … so gesehen ist Deutschland supersozial aufgestellt. Mehr erstaunt als begeistert sind wir Wessis über den Mitfühlfaktor, der doch immer eine immense Rolle spielt?

Hut ab, vor den Senioren in Pankow – DAS IST KLASSE! 🙂 Aber wir Wessis sind nicht daran Schuld, gerne hätten wir für uns auch solche Gelegenheiten! Und die lackierte Gesellschaft ist nicht ausschliesslich unsere Erfindung! Mme M fühlt sich sichtlich wohl in den Boudoir’s schmeichelhafter Lobbyisten, egal woher sie kommen.

Noch leben wir in einer Demokratie …

*Ich gehe: Mein Rücktritt vom Amt

Gemäldegalerie Berlin

3. Juli 2012 § 4 Kommentare

Gemäldegalerie Berlin

Mozart um 1790

von Johann Georg Edlinger (1741-1819)

Ca. 1 Jahr vor seinem Tod sah Mozart so aus. Verschwinden solche Gemälde demnächst in Magazinen? Wer die Sammlung ‚Alte Meister‘ weiterhin in Berlin besichtigen möchte, dem empfehle ich  diese

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